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Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
Entstehung
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Marie einige Liedchen, die dieſe entzückten. Marie flocht für Nina einen Kranz von großen Vergißmeinnicht. Nina ſah entzückend aus mit der himmelblauen Glorie um ihr madonnenſchoͤnes Geſicht. Bei Ninasruh nahm Marie Abſchied, umarmte ſie ſchweſterlich zärtlich und kehrte um. Nina ſtand am Spiegel der Quelle und ſah darin ihr Geſicht. Es blickte ſo himmliſch aus dem blauen Kranze und zwiſchen dem leichten Laub der Roſenhecke hervor. Nina fand ſich ſchön; ſie fühlte es mit Freude, denn ihre Schoͤnheit war für Hervey; mit ihr, mit Allem, was ſie an Anmuth, an Gaben des Glücks und der Bildung be⸗ ſaß, wollte ſie zu ihm gehen, und ſich wie eine Blumen⸗ ranke um ſein Leben ſchlingen. In dieſem Augenblicke war Ninas Seele nur von Verheißungen des Glücks, nur vom Bilde des Geliebten erfüllt.

Auf einmal fühlte ſie ſich leiſe und zärtlich umfaßt. Sie ſah ſich um und war in Evlas Armen. Ein Schau⸗ der durchrieſelte Nina. Sie fühlte ſich von ihrem Schick⸗ ſal erfaßt, und in der tiefen Trauertracht ſchien Edlas Ge⸗ ſicht mehr als gewöhnlich bleich und ſtreng. Aber Strenge war jetzt nicht in Edlas Herzen; ſie war nie zärtlicher geweſen, und bald lag Nina mit Thränen und kindlicher Ergebenheit am Hals der Schweſter. Nach den Ergie⸗ ßungen des erſten Augenblicks trat Edla zurück und be⸗ trachtete Nina mit freudvoller Verwunderung. Ninas Schönheit hatte ihre vollſtändige Entwicklung erreicht und war wirklich bezaubernd. Sie war nicht mehr das blaſſe, weiche Mädchen, das ein Hauch toͤdten zu können ſchien. Sie war eine blühende Hebe, voll Geſundheit und Leben. Thränen der Freude feuchteten Edlas Augen und ſie drückte die geliebte Schweſter auf's Neue an ihre Bruſt. Ninas Schweigen und ihre Thränen, ſo wie ihre mit ſichtbarer Angſt gemiſchte Zärtlichkeit beunruhigten Edlas Seele, doch ließ ſie es ſich nicht anmerken; ſie ſetzte ſich ſtill neben Nina auf die Raſenbank und ſprach mit ihr von ihrem Vater und ſeinen letzten Tagen auf eine Art, die