aber empfand ſie die innere Macht, die der erſteren zum Trotz ihr freies Leben ausbildet und aus dem ſchweren Steine, der auf das Leben des Menſchen gelegt wird, noch eine Stufe macht, auf welcher er zum Himmel der ewigen Freiheit emporſteigt. Sie fühlte, daß der Menſch, ſelbſt wenn er wie Prometheus an den Felſen geſchmiedet und ſein Herz zerfleiſcht iſt, dennoch allen Mächten der Welt Trotz bieten und vom Anfang bis zum Ende des Lebensſchauſpiels leiden und daſſelbe wollen kann, ſtill, kraftvoll und unermüdlich. Auch Evla blieb dieſelbe und wurde gleichwohl anders, denn ſie war ſtark im Murren geweſen und jetzt wurde ſie ſtark in der Reſignation. Klagen, Bitterkeit, Mißtrauen wichen für immer von ihrer Bruſt. Sie beugte ſich, die barmherzig ſtrenge Hand küſſend, welche die Ewigkeitsblume der Tugend unter Stürmen hervorſprießen läßt. Dieſe wurde für ſie die Blume der Menſchenſeele, der Menſchheit, ja des ganzen Univerſums. Um ſie herum drehte ſich alles Daſein, ihre Entwicklung umſpielten alle Winde des Schickſals, ſie wandte ſich ſelbſt, wie die Sonnenblume gegen die Sonne— Gott. Stärke, Kraft zu entſagen, Friede mit ſich ſelbſt, Gleichgewicht und eine Ruhe, die ihr keine Zufälle zu rauben vermochten, Reinheit des Herzens und der Gedanken, damit ſie ſich zu Gott möch⸗ ten erheben können, ſuchte und gewann Edla; auch von dem Evangelium des Chriſtenthums verleibte ſie ſich haupt⸗ ſächlich dasjenige ein, was dieſe Richtung ausbildete, und nach ihrer Weltanſchauung war der Menſch vor Allem zu Kampf und Entſagung beſtimmt. Aber dieſe Anſchauung war friſch und klar, aus Leiden ließ ſie den Lorbeer er⸗ wachſen und die Dornenkrone wurde die Krone der Herr⸗ lichkeit. Sie ging mit Liebe auf das Loos ein, welches die Nothwendigkeit gebot, und erfüllte ihre Pflichten aus dem Grunde ihres Herzens. Wenn es litt, wenn es mit⸗ unter müde wurde, ſo achtete ſie deſſen wenig. Es ver⸗ blieb unerſchütterlich bei dem Einen und ſchlug ſtille dem Tag der großen Verwandlung entgegen, wo es
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Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
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