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gereinigt von Sünden und befreit von irdiſchen Feſſeln ruhen dürfte in dem ewigen, liebewarmen Herzen, dem Urſprung und der Fülle des Lebens.
Wie kam es nun, daß Edla bei dieſer Kraft und bei dieſem innern Frieden doch Andern nicht angenehm war?
Andern, ja wenn Andre nicht wären, ſo hätte man freilich mehr Ruhe mit ſich ſelbſt, nur daß es ſchwer zu ſagen iſt, was dieſes Selbſt dann ſein würde. Edla hatte die Jahre erreicht, wo die Seele ſich gewöhnlich vom Körper unabhängig macht, wo äußere Häßlichkeit oder Schonheit Nichts mehr oder bloß eine unbedeutende Ur⸗ ſache zum Wohl oder Weh des Lebens iſt. Für Edla hätte dieſe Unabhängigkeit vollkommener, als für jeden Andern ſein müſſen, allein ihre Jugendzeit hatte ſtarke Spuren in ihrer Seele zurückgelaſſen, und die Wolke, die über ihrem Morgen gelegen, hatte über ihr ganzes Leben einen Schatten geworfen. Sie war in Beziehung auf die Wirkung, die ſie bei andern hervorbrachte, im höch⸗ ſten Grade mißtrauiſch gegen ſich ſelbſt. Sie war über⸗ zeugt, daß ſie nicht gefallen konnte; nun fürchtete ſie, auch nicht geliebt werden zu können; ſie glaubte, ihr Aeußeres, ihr Blick, ihr ganzes Weſen wirke gar zu ab⸗ ſtoßend. Dieſer Glaube, einiger Stolz, die Furcht, be⸗ ſchwerlich zu fallen, und noch mehr die Furcht, guten Menſchen unangenehme Gefühle zu verurſachen, Alles dieß bewirkte, daß ſie eine Art Scheu vor ihren Mit⸗ menſchen bekam. Und ſie hatte Unrecht, denn nur we⸗ nige waren von denen, die ſie wirklich kannten, mehr geliebt, als ſie, und wie Manche gibt es nicht auch ſonſt noch in der großen Geſellſchaft, welche die Schale über dem Kern vergeſſen! Aber gerade ihre Zurückhaltung machte Andere auch zurückhaltend; man fürchtete ſie, wenn man ſie nicht liebte. Sie war ſtill unter den Menſchen und blieb ihrem Leben und ihren Spielen immer gewiſſer⸗ maßen fremd. Und freundlicher Leſer, wenn es ſo mit uns ſteht, wenn wir es ſo fühlen: Iſtes dann nicht beſſer, einſamzu bleiben?


