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die ihren ſtrebenden Geiſt gefangen gehalten hatten und noch gefangen hielten. Dazu kam noch die Veränderung in ihrer Lage. Sie ſah auf ihren Vater, der ihrer jetzt mehr als je bedurfte, ſie ſah auf das Kind, das ſie dem Tode entriſſen— und ſie that, was viele vor ihr gethan haben, was viele nachher thun werden— ſie reſignirte; und dieſes Opfer der Entwicklung ihres Weſens, das Opfer einer vollſtändigen Wiſſenſchaft, vielleicht das ſchwerſte, das man bringen kann, brachte ſie nach einem kurzen Kampfe entſchloſſen dar und ſchloß ſich ſtill in den Kreis der Familie.
Vielleicht war Edlas Opfer weniger groß, als ſie ſelbſt fühlte. Ich habe den Satz aufgeſtellt, daß man durch die Bücher allein nicht weiſe werden koͤnne; nein, durch die Bücher nicht, durch Reiſen nicht, durch gelehrte Männer nicht, durch die ganze Welt nicht, wenn man nicht in ſeinem Innern die bildende Kraft beſitzt, die aus den zerſtreuten Theilen die harmoniſche Geſtalt ſchafft, oder— um es einfacher und eben ſo gut zu ſagen,— wenn man es nicht verſteht, aus Worten einen vernünf⸗ tigen Sinn zuſammenzuſetzen. Aber eben dieſe Fähigkeit war Edlas ſchone Gottesgabe und wenn man auch ihrer Weltanſicht eine gewiſſe Einſeitigkeit vorwerfen dürfte, ſo möge man ſich an die Umſtände erinnern, unter denen ſie die Welt und das Leben kennen gelernt. Die Ein⸗ drücke aus ihrer Jugendzeit, die Richtung ihres Charak⸗ ters und Gemüths leiteten ſie darauf hin, die älteſten Weisheitslehren des Menſchengeſchlechts mit beſonderer Vorliebe zu erfaſſen. Sie gingen ſo leicht in ihre Seele ein, denn ſie ſtanden in naher Verwandtſchaft mit ihren tiefſten Gefühlen und Gedanken. Nichts hatte Evdla ſo tief, ſo furchtbar wahr empfunden, als die Macht eines Schickſals, eines unabänderlichen Muß, unter deſſen eiſernes Joch der Menſch ſich beugen muß, murrend oder betend— ſtreitend oder kriechend— gleichviel, er muß! Dieſer Eindruck blieb, geſtaltete ſich aber anders. Sie fühlte noch die Macht eines äußeren Müſſen; weit tieſer


