Druckschrift 
Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40

alltäglichen Leben ganz unvermeidlich. Inzwiſchen kann di man hie und da zu außerordentlichen Mitteln greiſen, um de ſich davon zu befreien, und— um deinetwillen, mein Le⸗ er ſer— denn es iſt mein ſehnlichſter Wunſch, dich bei guter ke Laune zu erhalten— will ich jetzt eine meiner Zauber⸗ ſt künſte zeigen. n Ich löſe die Geſellſchaft auf, löſche alle Lichter, mache A der Hochzeit ein Ende und lege Jedermann ins Bett. U Und jetzt iſt es Nacht, und mit ſeinen freundlichen w Schwingen berührt der Schlaf die Augenlider der Men⸗ es ſchen, und die Seelen weilen im nebelumhüllten Lande der Träume. Der Juriſt vergißt ſeine Prozeſſe, der Ar⸗ ih beiter ſeinen mühevollen Tag, der Weltmenſch die lange m Weile, die er ausgeſtanden, der Unglückliche die Urſache w ſeiner Thränen— holder, geſegneter Schlaf, Alles durch D dich! Aber findeſt du Augen, welche du nicht ſchließen di kannſt, welche Sorgen oder Schmerzen vffen und ſtarr er⸗ de halten, bis auch das Gehirn erſtarrt und das Herz ver⸗ un blutet— dann gehe, milder Schlaf, und bitte deinen blei⸗ ei cheren Bruder zu kommen; dann iſt er der rechte Arzt. Le Vielleicht, mein Leſer, ſchließeſt du aus dieſer Aus⸗ N

flucht, die ſo weit von meinem Ziele abliegt, daß ich ſelbſt ebenfalls ins Schlafen gerathen ſei. Zum Beweis, daß dem nicht ſo iſt, will ich dir erzählen von

Edla.

Manche iſt mit vierzig Jahren jünger an Herz und Lebensluſt, als mit zwanzig. So ging es Edla. Ihre ganze Erſcheinung gab indeß mehr Ruhe und Feſtigkeit zu erkennen, als was man gewöhnlich Lebensluſt nennt. Ihr Blick war wunderbar klar und durchdringend. Nicht Jedermann vermochte hineinzuſchauen. Man fühlte, daß die Seele, die aus demſelben ſprach, ſich zum Frieden