auch von der Staatswirthſchaft fett werden! Ich bin überzeugt, daß Fräulein Klara keine Staatswirthſchaft ſtudirt hat, aber dafür eine um ſo beſſere Hauswirthin geben wird. Ich wollte wetten, daß ſie einmal mehr Freier bekommt, als die ſchöne Nina.“
„Ich geſtehe, daß ich den Geſchmack dieſer Freier nicht theile. Ich halte es weit eher mit Graf Ludwig R., der ſich majeſtätiſch um Nina herumſchwingt, wie der Habicht um die Taube.“
„Ganz richtig, wie der Habicht, das iſt der wahre Ausdruck. Graf Ludwig iſt ein verdammt tüchtiger und hübſcher Kerl, allein er hat wirklich Etwas von einem Raubvogel an fich. Ich möchte bei all ſeinem Reichthum und ſeinem hohen Rang doch nicht ſeine Frau ſein.“
„Was ſagen Sie? Er gilt ja allgemein für einen ausgezeichneten Mann. Ich habe ihn als eines jener Mu⸗ ſter von Vollkommenheit preiſen hören, die, unter uns ge⸗ ſagt, meine Antipathie find, theils, weil ich nicht an ſie glaube, theils, weil ich ſie immer höchſt widerwärtig ge⸗ funden habe. Er gilt für einen Mann, von dem durchaus kein Fehler bekannt iſt.“
„Ach, meine Gnädigſte, vielleicht hat er allerdiugs keinen eigentlichen Fehler, aber dagegen ſo viele Mängel, daß ſie eine ganze Ladung ausmachen. Unter uns geſagt, er iſt ein Mann ohne Herz, ſeine Gerechtigkeit führt blos das Schwert. Aber hören Sie einmal, welche lebhafte Unterhaltung! und wie die neugebackenen Eheleute bloß für einander Augen und Ohren haben! Man muß geſte⸗ hen, es iſt erbaulich. Die Che, mein gnädiges Fräulein, iſt eine verehrungswürdige Einrichtung und ein großes Glück auf Erden. Eine gute Hausfrau iſt, wie David ſagt, köſtlicher denn Gold und ächte Perlen.“
„Es iſt möglich, daß David auch ſo ſagt, aber daß Salomo ſo ſagt, weiß ich gewiß,“ verſetzte Fräulein Mar⸗ garethe, die in ihrer Bibel gut zu Hauſe war.
„Immerhin. Vater und Sohn ſagen daſſelbe, was für die Weisheit beider zeugt. Ich verſichere Sie, mein
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