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Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
Entstehung
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Ich glaube, daß man Charakter hat, daß man conſequent iſt, und ſie hatte ſchon vor vierzehn Jahren die Gräfin Adelaide ſo lieb, wie wenn ſie ihr eigenes Kind geweſen wäre. Aber à propos, was ſagen Sie zu ihrer Schwe⸗ ſter, Fräulein Nina?“

„Ich geſtehe,“ ſagte Fräulein Margarethe,„daß ich ſie für das Schönſte halte, was Gott geſchaffen hat— nur Etwas zu ätheriſch— zu wenig Leib. Man meint ordentlich, ſie konnte, eh' man ſichs verſieht, in einer Wolke verſchwinden.“

„Ganz richtig, ganz richtig: ich liebe auch Etwas mehr Fleiſch und Blut... Ich möchte auch keine Frau haben, von der ich fürchten müßte, ſie könnte mir zer⸗ fließen, wenn ich ſie nur anrühre. Gleichwohl bleibt wahr, daß Fräulein Nina etwas Bezauberndes in ihrem Weſen at. Das Auge folgt ihr mit Bewunderung, und der Gedanke will ſich nicht von ihr trennen. Es iſt als läge ein Schleier von Wehmuth über ſie ausgebreitet. Man moͤchte ihn lüften, und das liebenswürdige Geheimniß entdecken, denn ihre Traurigkeit hat etwas Liebliches, etwas Rührendes und ungemein Anſprechendes. Man ſieht, daß es kein gegenwärtiger Schmerz iſt, der ſie verurſacht. Sie gleicht der Frinnerung an Unglück, deſſen Kelch ſchon längſt geleert iſt, oder einer dunkeln Ahnung an Leiden, die da kommen ſollen; Gott beſchütze ſie! Der müßte ein

wahrer Satan ſein, der ihr etwas zu Leid thun koͤnnte. Schade, daß ſie ſo blaß iſt— ſie iſt wirklich marmor⸗ weiß— aber mitunter zieht es wie Wolken über ſie. Sehen ſie, eben jetzt. Wolken, die von einer aufgehenden Sonne roſenroth gefärbt werden.“

„Nein,“ ſagte Fräulein Margarethe lachend,„das iſt gar zu bunt. Ich rathe Ihnen ernſtlich, Baron, nicht ſo viel nach ihr zu ſehen, Sie werden ſonſt ganz gewiß verzaubert. Sie ſprechen bereits ſo poetiſch, daß ich Sie kaum mehr kenne;z betrachten Sie ſich einmal Ihre Nach⸗

barin.“ „Recht gern. Nun, meine Gnädigſte, wer iſt die