ich daran denke, daß Liebe und Freundſchaft noch ſchöner als bisher meinen Familienkreis beleben und einen hellen Schein über meine alten Tage werfen wird. Sollteſt du meine gute Tochter, ebenfalls in den Eheſtand zu treten wünſchen, ſo ſiehſt du, daß du meinetwegen ruhig ſein kannſt. Thuſt du es nicht, wünſcheſt du immer um mich zu bleiben, ſo kann ich dir wohl ſagen, daß dieß auch der Wunſch meines Herzens iſt und eine wirkliche Freude für deinen dankbaren Vater.“
Edla küßte mit Wärme die letzten Worte des Briefs, und ſo lebhaft war ihr Gefühl der Befriedigung darüber, daß es im Anfang einen großen Theil des unangeneh⸗ men Eindrucks verwiſchte, welchen die Nachricht von der Verlobung auf ſie gemacht hatte. Derſelbe kehrte jedoch bald zurück und Edla konnte dieſer unerwarteten, großen Veränderung nicht ohne ſchmerzliche Unruhe entgegen ſehen. Sie kannte die Gräfin, ſie wußte, daß ſie bezau⸗ bernd und herrſchſüchtig ſich überall ans Ruder zu ſtellen verſtand, daß ihr aber der Geiſt der Ordnung, welche Behaglichkeit ſchafft, nicht inwohnte, und daß das Leben, welches ſie verbreitete, Niemand beglückte. Evla zitterte für die Ruhe ihres Vaters und für Ninas Wohl, aber längſt gewohnt, dem Unabwendbaren nur die ſtille Kraft der Reſignation entgegen zu ſtellen, wurde ſie auch jetzt bald wieder ruhig, und als der Präſident am Abend nach Hauſe kam, ging ſie ihm entgegen, umarmte ihn zärtlich und wünſchte ihm Glück. Der Präſident ſpürte eine Thräne auf ſeiner Wange, und dieſer Beweis von warmem Gefühl rührte ihn um ſo mehr, je ungewöhn⸗ licher er bei Edla war. Bewegt und verlegen zugleich, ſtimmte er einen halb gefühlvollen, halb muntern Ton an, ſcherzte und ſeufzte abwechſelnd und wußte im Augen⸗ blick nicht recht, wie er ſich anſtellen ſollte. Im Uebri⸗ gen wiederholte er ungefähr, was er in ſeinem Briefe geſagt hatte und fügte nur noch hinzu, ſein hoher Stand mache es ihm zur Fflicht, mehr Geſellſchaften zu geben,


