„Sei ſtill, ſei ruhig, mein gutes Kind,“ ſagte Edla mit zärtlichem Ernſt, indem ſie aufſtand.„Du biſt der ſchwache Menſch nicht, den ich ſchilderte und wirſt es auch nie werden. Ich will den Tag nicht erleben, wo du die⸗ ſem Bilde gleichen würdeſt. Sammle Kraft es zu verab⸗ ſcheuen, es weit, weit von dir zu entfernen.“
„Ja, ich will, ich werde es!“ ſagte Nina, indem ſie die Arme gegen ihre Schweſter ausſtreckte; allein in dem⸗ ſelben Augenblick ſanken die ausgeſtreckten Arme nieder, ihr Kopf fiel zurück, ihre Augen ſchloßen ſich, ſie ſchlief. Ihre Stirne war klar. Kein Schmerz entſtellte die rei⸗ nen Züge, aber Todesbläſſe bedeckte das Geſicht und die Glieder waten regungslos und erſtarrt. Es war der Tod in ſeiner ſchönſten Geſtalt. Edla kannte dieſen Schlaf, welcher der Krankheit angehörte, an der Nina ſchon als Kind oft gelitten hatte. Seit vielen Jahren war ſie indeß frei davon geweſen, und um ſo erſchreckender war dieſer Augenblick für Edla. Mit der ihr eigenen Geiſtesgegen⸗ wart wandte ſie ſogleich alle Mittel an, die ſie beſaß, um dieſen ſchauerlichen Schlaf aufzuheben, und nach Verfluß einer Stunde hatte ſie die unbeſchreibliche Freude, Nina erwachen zu ſehen.
„Was war das?“ fragte Nina unruhig.„War ich wieder krank, wie früher? Es kam eine Mattigkeit über mich. Evla, wie viele Unruhe, wie vielen Kummer mache ich dir nicht!“
„Es war Nichts,“ antwortete Edla ruhig.„Deine phyſiſche Schwäche iſt nicht gefährlich. Sie wird mit der Zeit bei einem thätigern Leben, wenn du auch für An⸗ dere zu ſorgen haſt, vergehen und dann wird auch deine Seele ſtärker werden. Glaube nur mir.“
„Ich glaube dir. Warum ſollte ich auch nicht? Warſt nicht du es, die mir zum zweitenmale das Leben gab? Habe ich nicht ſeither durch deine Fürſorge gelebt, durch deine Gedanken gedacht? O, als ich bereits in mei⸗ nem Sarge lag und Alles ſtill und finſter um mich her, und mein kurzes Leben auf Erden beſchloſſen war,— als
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