wundet auf dem Krankenbett, und der, der dies Alles ge⸗ than, der Verführer, der Mörder und noch obendrein der niedrige Räuber einer anſehnlichen Geldſumme war— ſein Freund; der Freund, den er ſo zärtlich geliebt, an den er mehr geglaubt hatte, als an ſich ſelbſt! Ach Nina! Es gehört keine geringe Kraft, keine geringe Tugend dazu, nach ſolchen Erfahrungen noch feſt im Guten zu bleiben, noch für das Wohl der Menſchheit zu arbeiten.“
„Graf Ludwigs verbrecheriſcher Freund war gefan⸗ gen, und konnte ſich gegen die Anklagen, die gegen ihn erhoben wurden, nicht rechtfertigen. Das Todesurtheil ſchwebte über ſeinem Haupte— da verſchwand er plötz⸗ lich aus dem Kerker. Graf Ludwig verfolgte ihn nicht — er ſuchte ihn zu vergeſſen— das war ſeine Rache.“
„Der Tod ſeiner Schweſter hinterließ tiefe Spuren in ſeiner Seelt. Ich habe ihn viel geſehen zu einer Zeit, wo in Folge dieſes Unglücks eine düſtere Hypochondrie ſich ſeiner bemächtigt hatte. Ich ſah damals auch, wie dein Anblick auf ihn wirkte, wie er in deiner Nähe ruhi⸗ ger und freundlicher wurde. Du warſt noch ſehr jung, als Ludwig ſeine Schweſter verlor, und ich glaube nicht, daß die ſchauderhafte Begebenheit dir zu Ohren gekom⸗ men iſt. Ludwig hatte mir mehr, als einmal geſagt, du ſeieſt ſchon damals ſein ſchützender Engel geweſen, und nur durch dich allein könne er das Leben und die Men⸗ ſchen wieder lieben lernen. Er hat oft den herzlichen Wunſch gegen mich geäußert, dich ſeine Gattin nennen zu dürfen, und nur deine noch ſo ſchwache Geſundheit und meine Bitten haben ihn abgehalten, ſich gegen dich und den Vater zu erklären. Aber ſage mir, Nina— verdient dieſer Mann nicht die hochſte Achtung? Verdient er nicht glücklich zu werden?“
„O gewiß verdient er es. Evla, ich will würdig werden, ihn glücklich zu machen. Ich will es werden. Ich will ihn lieben lernen; aber, Edla, laß ihn meine Hand jetzt noch nicht begehren. Ich bin noch ſo jung. Trenne mich noch lange, lange nicht von dir. Leite mich,


