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es, weil er ganz einſam, mitten unter Verführungen ſtand. Aber bald ſtand er nicht mehr einſam da; er gewann einen Freund, arm und von niedrigem Stande, gegen den aber die Natur freigebig geweſen war und der milder, als Ludwig, voch ſtark und warm, wie er, die Tugend zu lieben ſchien. Ludwig erblickte in ihm ein überlegenes Weſen und gab ſich ihm mit ganzer Seele und ganzem Herzen hin.“
„Graf Ludwig hatte einen jüngern Bruder. Dieſer wurde durch die Härte des Vaters ſowohl in ſeiner gei⸗ ſtigen, als körperlichen Entwicklung beeinträchtigt. Er hatte auch eine kleine Schweſter und der mannhofte Knabe ward bald der Beſchützer des zarten, ſchönen Kindes. Er ſaß neben der Wiege der Schweſter, küßte ihre kleinen Füße und jagte die Fliegen weg, die ihren Schlaf ſtör⸗ ten. Es war ſeinem Herzen Bedürfniß, zu lieben. Als ſie heranwuchs, ſuchte er ſie gegen die Eltern zu be⸗ ſchützen, deren Zärtlichkeit und Härte gleich tyranniſch und launenhaft war. Die Mutter ſtarb und Graf Ludwig mußte auf Befehl ſeines Vaters zur Vollendung ſeiner Erziehung eine Reiſe durch Europa machen. Er war in Verzweiflung, ſeine Schweſter in einem Augenblick ver⸗ laſſen zu müſſen, da ſie eines ſtützenden Freundes am meiſten bedurfte, und um ſowohl ihr, als ſeinem unglück⸗ lichen Bruder einen Beſchützer und eine Stütze zu geben, führte er den obenerwähnten Freund in der Eigenſchaft eines Lehrers für den Bruder in ſeines Vaters Haus ein. Seine Charakterfeſtigkeit, ſeine glücklichen geſelligen Ga⸗ ben und ſeine ungewöhnlichen Liebenswürdigkeiten ſollten, hoffte Ludwig, eben ſo günſtig auf ſeinen Vater, als auf ſeine Geſchwiſter einwirken, und er überließ das Theuerſte, was er auf Erden beſaß, der Obhut ſeines Freundes.“
Nach einem Jahr kam er zurück— und ſeine geliebte Schweſter war verführt, aus dem Vaterhauſe geraubt und das Opfer eines ſchauerlichen Todes geworden. Sein Vater lag von Verräthershand gefährlich ver⸗


