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Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
Entstehung
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unter eine Art Durſt darnach und weiß doch nicht, was es iſt. Ich möchte das Leben leicht fühlen, ich möchte gern glücklich ſein.

Werde gut, werde klar, ſagte Edla mit Innigkeit.

Glücklich, glücklich! Wenn ich die Vögelein ſingen hore, ſo fühle ich, daß ſie voll Freude find. Ich habe vas Geſicht der Menſchen leuchten geſehen, wie einen ſeli⸗ gen Tag, ich habe junge Mädchen voll Lachen und Scherz geſehen; ſie ſind glücklich, ſie fühlen das Leben leicht. Ich möchte auch ſo fühlen wie ſie.

Das iſt nicht ſchwer, Nina aber es gibt noch etwas Höheres als dieſes Glück, Etwas, wodurch es leicht entbehrlich wird. Willſt du dieſem da gleichen? Edla zeigte hiebei auf ein Bild des verſuchten Erlöſers, in dem Augenblick, wo er mit ſtiller und erhabener Faſſung die Freuden der Erde von ſich weist.

Nina betrachtete lange das herrliche Bild.Das iſt groß, ſagte ſieja, das iſt mehr als Freude und Glück, oder vielleicht iſt dies gerade das Glück des Star⸗ ken. Aber Edla die Kraft iſt ungleich, der Genuß auch; gibt es nicht auch noch manches weniger erhabene und doch gute, doch unſchuldige Glück?

Ich weiß keines, Nina, das des beſſeren Menſchen würdig wäre, außer dasjenige, welches in der Tugend, in der thätigen Liebe gegen den Nächſten, im Streben nach Erkenntniß und Güte liegt.

Nina legte den Kopf in ihre Hand und eine Wolke der Wehmuth lagerte ſich über ihr ſchoͤnes Geſicht.Ich muß ſehr ſchwach ſein, Edla, ſagte ſie.Ich fühle die Kraft, von der du ſprichſt und die du beſitzeſt, nicht in mir. Ich bewundere und liebe ſie aber warum ſehne ich mich heimlich mehr nach frohem Lebensgenuß, als nach Tugend und Vollkommenheit? Evla, meine zweite Mutter! verſtehſt Du mich?

Ja und es gab eine Zeit, wo ich ebenſo fühlte, wie du, aber dieß iſt eine traurige Schwachheit. Ich habe ſie überwunden.