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Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
Entstehung
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lehnen. Edla war ſogleich an ihrer Seite und flüſterte: Biſt du müde?

Ja, war Ninas matte Antwort; Edla nahm ſchweigend ihren Arm und entfernte ſich mit ihr. Sie kam bald zur Geſellſchaft zurück, allein nur mit der hal⸗

ben Seele, die andere Hälfte weilte bei Nina. Graf Lud⸗ wig näherte ſich ihr und fragte mißmuthig:

Was war das wieder?

Eine Schwäche; ſie iſt nicht gewöhnt, unter ſo vielen Leuten zu ſein, ſie kann das Geräuſch ſo vieler Stimmen noch nicht ertragen.

Aber glauben ſie nicht, daß Einbildung einen gro⸗ ßen Theil an dieſen nervöſen Zuſtänden hat und daß eini⸗ ger Zwang heilſam wäre? Daß man fie varan gewoͤh⸗ nen ſollte, ſich zu überwinden?

Nein Nina bedarf keines Zwanges. Sie iſt zu wahr, zu einfach, um ſich etwas über ſich und ihre Ge⸗ fühle einzubilden; zu gut, um ſie nicht überwinden zu wollen, wenn ſie könnte, zumal, da ſie Andern damit Freude machte. Die Zeit, Geduld, eine zärtliche und kluge Behandlung werden ſicher, wenn auch langſam wirken.

Sie verſtehen es am Beſten, ſagte Graf Ludwig, allein ich fürchte.

Was, was?

Daß Sie durch gar zu große Nachgiebigkeit Nina ihr Leben verträumen laſſen. Ohne Anſtrengung gewinnt

man keine Kraft, ſich ſelbſt zu überwinden. Ich fürchte, Sie verweichlichen Nina.

Graf Ludwigs Worte gingen Edla zu Herzen; kein Vorwurf hätte ihr ſchmerzlicher ſein können, und der Ein⸗ vruck davon machte vielleicht, daß ſich einige Strenge der Unruhe beimiſchte, womit ſie, nachdem die Gäſte alle ſich entfernt hatten, Nina wieder aufſuchte.

Nina hatte ihr reiches, lichtes Haar aufgelost, ſchien aber zu vergeſſen, es für die Nacht zu ordnen. Sie

hatte das Geſicht in ihre Hände gelehnt und die Ellenbogen

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