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herrſchte?“ ſagte Graf Ludwig mit bitterem, ironiſchem Lächeln.„Ich geſtehe, daß ich es hierin lieber mit den Türken halten möchte.“
Nina, an welche Alexandrine auf's Neue appellirte, äußerte ſich nicht weiter darüber. Sie fragte ſich in der Stille, ob es wohl keinen Mittelweg gebe zwiſchen Schlaff⸗ heit und Grauſamkeit, und Graf Ludwigs Ausdrücke und Worte verurſachten ihr, wie häufig ein Gefühl der Nie⸗ dergeſchlagenheit.
Es kamen noch mehr Gäſte. Man bat Nina zu fingen. Sie that es ſogleich und ihre ſchwache, aber un⸗ beſchreiblich liebliche Stimme erweckte eine unwillkürliche Rührung bei den Zuhörern, ſo daß einer von ihnen ſagte: „Fräulein Nina hat eine Thräne in ihrer Stimme.“
Und wirklich paßte dieſer Ausdruck auf ihre ganze Erſcheinung, welche lieblich, aber wehmüthig war und an ein überirdiſches, aber aus ſeiner himmliſchen Heimath verbanntes Weſen denken ließ; d. h. diejenigen, die einen Duft von Poeſie in ſich hatten, dachten ſo, und wir be⸗ kennen, daß einer von den Herrn in der Geſellſchaft, bei welchem das Körperliche vorſchlug, ſie bloß zart oder zärtlich fand, womit er wohlmeinend ſeine Anſicht über ihre Geſundheit ausſprach. Als jedoch Nina einige Worte mit ihm ſprach, ſah er unwillkürlich ganz glücklich und entzückt aus. Im nebrigen ſchien ſich Nina gerne und leicht nach den Wünſchen Aller zu fügen: man hätte fra⸗ gen mögen, ob ſie denn auch einen eigenen Willen beſitze und um ihrer ſelbſt willen da ſei.
Als der Eindruck des Geſangs verklungen war und die Geſellſchaft ihre gewöhnliche Stimmung wieder ge⸗ funden hatte, entſpannen ſich Geſpräche und hald auch leb⸗ hafte Erörterungen über Staatsangelegenheiten. Edvla ſchwieg, wie gewöhnlich, allein während fie ihr Ohr mit Intereſſe den Disputirenden lieh, folgten ihre Blicke mit mütterlicher Unruhe Nina. Als die Stimmen lauter und der Lärm im Zimmer größer wurde, ſah ſie dieſelbe auf einmal erbleichen, und ihren Kopf gegen die Wand


