Druckschrift 
Nina : Erzählung / von Friederike Bremer. Aus dem Schwedischen übersetzt von G. Fink
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

magſt! Wie könnte ich mit dir unzufrieden ſein, Edla? Nun gut, fuhr er mit einem Ausdruck fort, in welchem ſich Zufriedenheit und Mißmuth ſtritt,es mag alſo da⸗ bei ſein Bewenden haben. Ich denke bloß, ee ſei Schade um die vortrefflichen Männer, und auch um dich, denn man mag ſagen, was man will, der Menſch iſt nun ein⸗ mal dazu geſchaffen, in der Ehe zu leben. Inzwiſchen fürchte ich, du moͤchteſt in Zukunft Langeweile bekommen, wenn Nina verheirathet iſt. Ich habe gedacht, du würdeſt vielleicht gerne eine angenehme Geſellſchaft deines Ge⸗ ſchlechts haben, und um Deinetwillen wäre ich wohl geneigt

Der Präſident hielt inne. Edla wurde aufmerkſam, allein jede weitere Mittheilung unterbrach die Anmeldung des Staatsrath P., dem der Präſident mit großer Artig⸗ keit entgegenging und ihn auf's allerfreundlichſte willkom⸗ men hieß. Der Staatsrath war ein heiterer und redſeli⸗ ger Mann. Er ſprach mit dem Präſidenten, aber mit deut⸗ licher Abſicht auf Edla, deren Miene und Blicke er ſehr oft beobachtete. Ueberhaupt gab er durch ſein ganzes Be⸗ nehmen gegen ſie ſtarken Anlaß zu glauben, daß er die Abſicht hegte, ihr ſein Haus und ſich ſelbſt anzubieten.

Wir wollen jetzt einen Beſuch am Fenſter abſtatten und hören, was dort vor ſich geht.

Die Baronin Alexandrine, ein Bischen beſchränkt, ein Bischen eingebildet und ein Bischen naſeweis, mit ei⸗ nem Wort, eine etwas mittelmäßige Perſon, ſtellt einige mittelmäßige Betrachtungen an über Zeichen der Zeit und über die Richtung, Alles aufrühren und nichts in Ruhe laſſen zu wollen.

Ihr Vetter, Graf Ludwig, ein Bischen ſtolz und ein Bischen kurz angebunden gegen ſie, antwortet darauf ent⸗ weder vornehm und abweiſend, oder auch gar nicht.

Die Herren, ſagte Alexandrine mit einer zucker⸗ ſüßen Stimme, wollen immer zerſtören und herrſchen, und kehren dabei oft das Oberſte zu unterſt. Sie ent⸗ zünden blutige Kriege, bloß um ihren Ehrgeiz zu befrie⸗