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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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hat einmal geſagi, ſie möchte beim Klange von Bru⸗ no's Tönen ſterben.

Ma chère méère wird in der nächſten Woche den Neuvermählten ein großes Feſt geben. Auch Fräulein Hellevy Hausgiebel ſoll eine kleine ausgeſuchte Soirée für ſie veranſtalten.

Man erzählt, Natur und Kunſt gedenken ſich in den Perſonen des jungen Robert Stalmarkund Adele's von P zu vermählen. Sie haben auf Fräulein Hausgiebel's

oiréen im Laufe des Winters gegenſeitig ihre Vor⸗

trefflichkeiten entdeckt, ſich in einander verliebt und da⸗

durch ſelbſt bedeutend an Liebenswürdigkeit gewonnene

Landrichter Hök, der den Frühling über ſehr an*

ſeiner Leberkrankheit leidet, war einigeZeit gezwungen⸗ das Haus zu hüten, und Nachbarn und Freunde haben ihn fleißig beſucht. Ma chere möre war jede Woche zweimal vei ihm. Auch ich habe manchmal eine Stunde dei dem intereſſanten, ſtillen Greis zugebracht. Geſtern erzählte Jean Marie ging er zum erſten Male wieder aus und kam nach Karisfors. Ma chére mére und er führten mit einander den Trall aus, wobei ſie ſich an eine Schnur hielt, die quer über den Saal ge⸗ ſpannt iſt.

Es heißt, Vetter Stellan wolle dieſen Sommer nach Italien reiſen(ſeiner Geſundheit wegen ſicherlich⸗ um ſeine Langeweile zu zerſtreuen, aber ich fürchte, ſie folgt ihm nach).

eter und Ebba werden auf den Herbſt hier er⸗ wartet. Ich freue mich, ſie wieder zu ſehen, und nament⸗ lich bin ich begierig, wie ſich die Schwägerinnen jetzt vertragen werden. Jean Marie erwartet Beſuch von einigen Bekannten aus Stockholm und verſpricht ſich einen vergnügten Sommer.

Aber während Alles um mich her auflebt, liebt, tanzt, Gaſtmahle gibt u. ſ. w. gehe ich vielleicht ſchnellen Schrittes meiner letzten Stunde entgegen. Ich denkt

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