496
bibliſcher. Ihr Herz ſcheint jetzt mehr, als je, nach Be⸗ glückung Anderer zu verlangen; ſie ſchenkt viel an ihre Armen, namentlich auch alte Leinwand, und bereitet da⸗ mit, nach dem geiſtreichen Ausdruck einer liebenswürdigen jungen Frau, ihren Himmelspurpur. Jean Marie er⸗ zählle mir auch⸗einen kleinen Auftritt zwiſchen Elſe und ma chére mére, der mich freute. Ma chére mére hatte dieſer Tage ein paar Porcellan⸗Taſſen, die auf einem Tiſche ſtanden, umgeworfen und zerbrochen; ſie ärgerte ſich darüber(ſie will mitunter in Kleinigkeiten noch gar
zu gern die Sehende ſpielen), und brach in der Hitze
des Augenblickg mit dem Henfer und allerhand Fluchen über Elſe los, daß ſie die Sachen an den unrechten Ort geſtellt habe. Ma chère möre hatte Unrecht, aber Elſe, die früher immer mit einigen kräftigen Worten gegen jede Ungerechtigkeit proteſtirt hatte, gab jetzt ganz ſtill zu, daß ſie den Fehler gemacht habe. Eine Weile nach⸗ her ſaß ma chére mére an ihrem Netze und ließ ihre Nadel fallen. Sie kam unter den Sopha, und Elſe, die es immer ſo einzurichten weiß, daß ſie bei der Hand iſt, wenn man ihrer bedarf, kniete nieder, hob ſie auf und gab ſie zurück. Da legte ma cheère mére ſauft den Arm um die treue Dienerin und ſagte mit Rührung: „Meine liebe Elſe! Wie würde es mir ergehen, wenn ich dich nicht hätte?“ Eilſe legte die Stirne an die Kniee ihrer Gebieterin, umfaßte dieſelben, und eine Thräne der Liebe und Freude ſchlich ſich ihre knochige Wange herab. Jean Jacques ſchaltet und waltet frei auf Karlsfors, ſchafft alle Mißbräuche ab und macht manche nützliche Einrichtung. Er iſt ein thätiger, ein⸗ ſichtsvoller Mann, und ſpricht weniger, ſeit er mehr ar⸗ beitet. Er und Jean Marie gewinnen immer mehr Raum auf Karlsfors, während ma chère möre ſich den Ge⸗ ſchäften der Welt immer mehr zu entziehen ſcheint. Die Muſik macht ihr jetzt mehr Vergnügen, als je, und ſie


