dabei an Serena gedacht zu haben. Ich ſah auf den früher ſo düſtern, jetzt verklärten Strand, ich ſah auf Bär, der ſein Vollmondsgeſicht nicht von mir abwandte; es wurde mir warm um's Herz⸗ Thränen traten mir in die Augen, ich ſagte, auf Ramm zeigend:„Jetzt iſt es klar dort, Bär, jetzt ſind glückliche Herzen dort!“
„Nicht glücklicher, als hier,“ ſagte Bär, indem er mich zärtlich an ſich zog und auf ſeinen Knieen feſthielt, Die Sonnenſtrahlen ſtarben jetzt langſam hin, das Ufer hüllte ſich in Schatten, und mit einem tiefen Seufzer ſagte ich:
„Ach, wer weiß doch, wie lange ſie dort glücklich bleiben! Gott weiß, ob Bruno— dieſer unruhige Geiſt — je einmal Friede finden kann.“
Ein melodiſches Zittern wallte durch die Luft und ſchien auf meinen Seufzer zu antworten. Ich fuhr zu⸗ ſammen und wir lauſchten am geöffneten Fenſter. Die Orgel auf Ramm brauste, aber nicht trauervoll, wie früher. Töne, gleich denen in Händel's Hallelujah gin⸗ gen von ihr aus. Ich lehnte meinen Kopf an den Bär's. So ſaßen wir lange in dem warmen Maiabend und lauſchten. Und tief in den Abend hinein erklang die Orgel immer ſchöner, immer friedvoller, wie mir ſchien, und ich erinnerte mich der letzten Worte aus der Legende vom Neck:
„Da weinte der Neck nicht mehr, ſondern nahm ſeine Harfe wieder und ſpielte und ſang lieblich bis tief in die
Nacht hinein.“ „Denn er wußte jetzt, daß er ſelig werden ſollte.“
Geſtern war Jean Marie bei mir. Sie war heiter und wußte viel zu erzählen. Ich erfuhr allerhand von ihr, und mitunter Dinge, die mich ſehr freuten. Ma chere mère wird immer ruhiger und milder, fährt oft in die Kirche und ihre Sprüchwörter werden immer


