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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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beſſern Leben. ja, mit dir! Ohne dich.. doch ich habe genug geſagt. Du weißt jetzt Alles, Serena richte über mich! Ich beuge mein Haupt vor dir und will deine geliebte Hand küſſen, ſie mag mir Tod oder Leben geben.

Als der Seraph Eloah(ſo ſagt der edle Sänger des Meſſtas) an der Seite des Erlöſers zur Hölle hinabſtieg und das Dunfel und Elend daſelbſt ſah da erloſch ſein klarer Blick in Dämmerung. Ein Gefühl, gleich dem Eloah's hatte ſich Serena's bei Bruno's Bekennt⸗ niß bemächtigt eine unbeſchreibliche Schwere hatte ſich auf ihr Herz gelegt und hemmte ſeine Schläge aber ſie wurde hinweggenommen, ſie verſchwand gleichwie der friſche Wind den Nebel zerſtreut, gleichwie der Stern in der finſtern Nacht klar leuchtet, gleichwie die Morgen⸗ röthe aufgeht und Alles beglänzt und erhellt, ſo ging in Serena's Herzen die ewige Liebe auf, ſtark, mächtig, be⸗ ſeligend und ſiegend. Es wurde in ihrer Seele lichter, freier, gewiſſer als je; da war kein Zaudern, keine Unruhe mehr, und als Bruno mit ſeiner Rede zu Ende war, neigte ſie ſich mit ſtillen Liebesthränen zu ihm und ſagte:

Ich gehe mit dir, Bruno. O mein Freund, mein Gatte, es kann nicht anders werden. Zuſammen laß uns auf Erden wandeln, zuſammen einſt vor dem Throne des Allerbarmers knieen.

Stumm ſchloß Bruno ſie an ſeine Bruſt.

Licht brach herein. Ein Geſang erhob ſich, lieblich und feierlich und umſchloß die Vereinten mit melodiſchen Wogen. Es war die Hymne, die zur Feier des Aufer⸗ ſtandenen vom Tempel her erklang.