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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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war das Eisgefühl in meinem Leben, das mich immer blin⸗ der in das Feuer des Abgrundes trieb. Ruhe habe ich nicht. Wirken, mich rächen, herrſchen wollte ich. Die Menſchen, die mich damals umgaben, Gewinnſucht, ja ſelbſt die Gefahr, die mit dem Unternehmen verknüpft war, trieb mich zu Etwas das ich ewig bereuen werde. Ich wurde Menſchenhändler Seelenverkäufer. Ich riß die Kinder Afrika's aus ihren Hütten, riß gewaltſam Gatten von Gatten, Mütter von ihren Kindern, und führte ſie als Sklaven in die portugieſiſchen Colonieen. Menſchen meine Brüder verkaufte ich für Gold. Die Perſonen, die damals Macht über meine Seele beſaßen, hatten mir dieſe Unglücklichen als Geſchöpfe ohne allen Menſchenwerth, ja, als ſelbſt unter den unvernünftigen Thieren ſtehend, vorgeſtellt. Ein ſchreckliches Ereigniß öffnete meine verblendeten Augen: laß mich jetzt davon ſchweigen; ich könnte es nicht mit Ruhe erzählen. Genug, von dieſem Augenblick an gab ich mein blutiges auf. Auf's Neue vertauſchte ich Namen und and.

Vergeſſen und Genießen waren jetzt mehr als je die anſpornenden Triebfedern meines Lebens. Am Pha⸗ raotiſch verſuchte ich mein Glück, und das Glück war mir hold. Eines Abends gewann ich eine bedeutende Summe von einem ganz jungen Manne. Gold blitzte um mich her und verblendete meine Augen; aber die aſchgraue Verzweiflung, die das Geſicht meines Gegen⸗ ſpielers entfärbte, als er das Zimmer verließ, rief mich zur Beſinnung zurück. Vielleicht hatte er eine Mutter, die ich lief ihm nach. Ich wollte ihm ſeinen gan⸗ zen Verluſt zurückgeben. Ich eilte hinaus auf die dunkle Straße und rief den Namen des Unglücklichen, den ich zufällig wußte. Ein Blitz und ein Knall, ganz in mei⸗ ner Nähe, antwortete auf mein Rufen. Stücke vom Gehirn des Unglücklichen flogen mir zu Füßen. Er hatte