483 an der Kraft, vielleicht auf ewig doch jetzt iſt die Stunde gekommen! Wende deinen reinen Blick weg, Serena!“. 5 Bruno zeichnete jetzt in ſchnellen, aber ſtarken Zü⸗ gen ſeine erſten Verirrungen.„Meines Bruders männ⸗ liche Güte,“ fügte er hinzu,„riß mich aus meiner ge⸗ 4 ze⸗ fährlichen und vererflichen Bahn. Einen Augenblick 3 du glaubte ich ein neues, ein beſſeres Leben zu beginnen. 8 nd Vielleicht hätte ich es gethan, hätten mich nicht die Fol⸗ em gen meiner erſten Ausſchweifungen hinabgezogen. Ich in war früher insgeheim Spieler geweſen, ich hatte einen 3 jungen Mann aus meiner Kameradſchaft dazu verführt, ts⸗ ich wurde die Urſache ſeines Unglücks. Um ihn zu ret⸗ le. ten, griff ich auf's Neue zu verbotenen Mitteln. Mein um Diebſtahl wurde entdeckt— entdeckt von meiner Mutter. 3 ebe Sie wollte mich ſtrafen— ſtreng— zu ſtreng vielleicht — doch nein! Ich verdiente es. Aber ich wollte mich 6 a⸗ nicht unterwerfen, der Gewalt wurde mit Gewalt begeg⸗ he 3 ich trotzte meiner Mutter, und ſie— verfluchte 2 mich.“ e Bruno's Stimme zitterte bei dieſen Worten. Er ſchöpfte nach Athem und fuhr fort: etzt„Ich floh in derſelben Nacht, Furien in meiner Seele— ſie haben mich ſeither nicht verlaſſen. Ich — floh mein Haus und mein Vaterland. Ich hatte das ben Meer zwiſchen ihnen und mir, ich ging in fremde Kriegs⸗ der dienſte, erntete Wunden und einige Ehre. Nach Been⸗ er⸗ digung des Kriegs gerieth ich in Verbindungen, die mein der Herz feſſelten, und die Begriffe von Recht und Gut, die 3 ick, mir noch vom mütterlichen Hauſe her anklebten, verwirr⸗ 1 123„ ten. Belaſtet von meiner Mutter Fluch, ſuchte ich die och ungezügelten Leidenſchaften, die in meiner Bruſt rasten, 1 ben zu befriedigen, um das Vergangene zu vergeſſen, zu ver⸗ 3 ge⸗ geſſen, daß ich eine Heimath, ein Vaterland, eine Mutter em hatte; zu vergeſſen, daß ich verflucht war— ach, das
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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
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