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Leidenſchaften und Schmerzen? Oder biſt du eines der Zauberbilder, von denen ich erzählen gehört habe, welche die Menſchen mit Silberſtimmen und feinen Worten locken— aber ſich dann ſchnell in Geſtalten des Ab⸗ grunds verwandeln und die Unglücklichen in das ewige Dunkel hinabziehen?“
Hagar's wilde und erhitzte Phantaſie ſchien ihr in dieſem Augenblick die ſchreckliche Verwandlung zu ver⸗ wirklichen. Mit irrem Blick ſah ſie auf Serena, die ruhig ſagte:
„Ich bin bloß ein ſchwaches Weib, dem aber Gott die Gnade verliehen hat, die Leidenſchaft und den Schmerz ſeines Herzens zu beſiegen. Leſen Sie, Hagar, dieſe Zeilen, die denjenigen, den Sie lieben, bald zu Ihnen zurückführen werden; leſen Sie und mißtrauen Sie mir nicht mehr.“
Serena übergab Hagar den Brief, den Sie ſo eben geſchrieben hatte, und Hagar las:
„Du fliehſt mich, Bruno, du meideſt mein Haus. Komm wieder, Bruno. Nicht bloß in meinem Namen und um meinetwillen bitte ich dich, ich bitte dich für eine, die leichter Licht und Leben entbehren zu können ſcheint, als deinen Anblick. Komm, Bruno, o komm zu der Beklagenswerthen. An ihrem Bette erwarte ich dich. Laß uns gemeinſchaftlich ſie zum Leben zurück⸗ rufen oder gemeinſchaftlich ihre letzten Augenblicke trö⸗ ſten. Laß uns zuſammen ſein, Bruno! O, mein Freund! In dem Dunkel, das mich in dieſem Augenblicke um⸗ gibt, weiß ich mit Klarheit doch Eines, und dieſes iſt, daß ich dich liebe, daß du mir theurer biſt, als mein Leben und daß Nichts, Nichts in der Welt dieſes Ge⸗ fühl aus meinem Herzen reißen kann. Wir können in dieſem Augenblick nicht über unſer zukünftiges Verhält⸗ niß beſtimmen. Wohlan denn, laß uns die Zeit abwar⸗ ten und Frieden mit einander haben. Und ſollte unſerer Vereinigung als Gatten ein Hinderniß im Wege ſtehen, o, ſo wird uns doch Nichts hindern, uns als Freunde
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