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ich doch ſagen: das Werk des Augenblicks wird das Herz nicht verdammen, das treu liebt.“
Hagar ſchnappte nach Luft. Ein erfriſchendes Ge⸗ fühl ſtieg in das verzweifelte Herz und löſchte ſeinen bittern Grimm. Mit gefalteten Händen ſank ſie auf ihr Lager zurück.„Ja,“ flüſterte ſie matt,„ja, Sie haben Recht. Ach, es gibt alſo Jemand, der mich ver⸗ ſteht, der meinen Worten glauben kann! So höre mich denn, Serena, du, die du Engelsmilde und Engelsklar⸗ heit in deiner Seele haſt, höre: Ich wollte dich nicht tödten, nein! Ich wollte Bruno nichts ſo Böſes thun. Als ich allein in dem finſtern Walde ſaß und die Eifer⸗ ſucht Mordgedanken in meine Seele rief, da wies ich ſie mit Abſcheu zurück; als ich von Bruno's Verlobung hörte, als ich ſah, daß mein Schickſal unwiderruflich entſchieden war, da beſchloß ich, mich zu tödten. Und um Kraft dazu zu erhalten, mußte ich ihn mit Ihnen bei⸗ ſammen ſehen, mit Ihnen, ſeiner verlobten Braut... Ach! ſchon als ich Sie das erſte Mal ſah, da ging es wie ein kalter Stahl durch mein Herz; ich fühlte, daß er Sie anders lieben würde, als er Andere geliebt, ich fühlte, daß er auf immer für mich verloren war— und ich hatte doch ſeine erſte Liebe, ſein erſtes Ver⸗ ſprechen. Aber zur Sache! Ich kam eines Abends und ſah euch Beide beiſammen. Aber als ich Ibren Kopf an ſeine Schulter gelehnt ſah, als ich hörte, wie er Sie ſeine Gattin nannte, da zerriß eine Furie mein Herz und mein Gehirn. Es war die Eiferſucht. Meine Seele ward wild und mein Dolch dürſtete nach Ihrem Blut, bevor er ſich in dem meinigen kühlen ſollte. Ja, es war das Werk des Augenblicks, das Werk eines fin⸗ ſtern, finſtern Augenblicks, der bisher gewährt hat; aber jetzt, jetzt.. dringt ein Lichtſtrahl durch den Schleier der Nacht. Aber du, du, die ich tödten wollte und die du mir Leben gibſt— ſage, wer biſt du, wunderbares Mädchen? Biſt du ein Kind des Himmels, herabgeſandt, die Erde zu tröſten, und haſt nichts gemein mit ihren


