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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
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niemals beunruhigt hatten. Außer ihm und einem Mäd⸗ chen, das ſie bediente, ſah Hagar Niemand; aber ein ihr unſichtbarer Genius wachte treu um ſie. Die Säfte, die ihre brennende Stirne erquickten, der Trank, der den Sf ihrer Wunde ſtillte, wurden von Serena gereicht.

Eines Abends lag ſie in unruhigem Schlummer. Serena war allein bei ihr und ſchlich ſich langſam vor, um ſie einen Augenblick zu betrachten.Gott ſei Dank, flüſterten ihre Lippen,Gott ſei Dank, du ruhſt, Arme, Beklagenswerthe! Mein Glück haſt du zerſtört, aber wie weit unglücklicher biſt du ſelbſt!

Hagar erwachte. Serena zog ſich ſchnell zurück, aber ſie war geſehen worden.Wer iſt da? fragte Hagar heftig. Serena ſchwieg, in der Hoffnung, nicht erkannt worden zu ſein, aber Hagar fuhr fort:Du antworteſt nicht, aber ich kenne dich. Ich habe dich ſchon früher um mein Bett ſchleichen ſehen, du bleiches Mädchen, um mein Herzblut zu ſaugen. Glaube nicht, daß du dich vor mir verſtellen kannſt. Ich weiß, daß ich in deiner Gewalt bin, und ich weiß, was duwillſt. Plagen willſt du mich, durch langſames Gift mir das Leben nehmen. Zur Strafe für mein Verbrechen ſoll ich allmälig aus Mangel an Lebensluft erſticken und deßhalb haſt du ihn von mir genommen, daß ich ihn nicht mehr ſehen, nicht mehr ſeine Stimme hören ſoll denn das war meine Luft, mein Leben. Er ſelbſt hat mich in deine Gewalt überantwortet, um gepeinigt zu werden. Ja, und Alle haſſen mich und freuen ſich meines Elends, aber ich will ſie und Alle betrügen, ich will mich befreien! Und nun wollte Hagar den Verband von ihrer Wunde reißen. Aber Serena ſprang hinzu, ergriff ihre Hand und hielt ſie mit beinahe über⸗ natürlicher Kraft zurück. Hagar ſtarrte in das milde, von Thränen des Schmerzes und Mitleids bedeckte Ge⸗ ſicht und ſagte:

Bremer, die Rachbarn. 30