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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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gehe jetzt, aber morgen komm und beruhige meine Großeltern, wenn du kannſt, und uns Alle.

Serena und du? und du?... ſtammelte Bruno und ſtierte ſie ſchmerzvoll an.

Serena wandte ihren Kopf weg, um das Leiden zu verbergen, deſſen Ausdruck ſie vergebens zu bezwingen geſtrebt hatte. Ich glaube an dich, ſagte ſie mild, gute Nacht, Bruno! Und ſie bedeckte die Augen mit der einen Hand, während ſie ihm die andere reichte.

Du wendeſt dich ab von mir, du willſt mich nicht anſehen! ſagte Bruno mit düſterer Klage.

Da wandte Serena ihm ihr Geſicht zu und wollte gegen ihn lächeln, aber ihre Augen ſtanden voll Thränen.

Vielleicht ſah Bruno in dieſem Blick, was er in ſeinem Traume geſehen hatte, denn er wurde wie wild davon; er ſtieß einen Fluch über ſich ſelbſt aus, ſch'ug ſich heftig mit der geballten Fauſt vor die Stirne und ſtürzte fort.

Bär und ich gingen in dieſer Nacht nicht nach Hauſe. Er ſaß drinnen bei Hagar, die heftig phan⸗ taſirte und bald in Liebe, bald in Raſerei Worte hervor⸗ ſtieß, die immer gleich wild waren und den Stempel einer ungeordneten, verzweifelnden Seele trugen. Ich blieb bei Serena, deren Schlafzimmer neben dem ihrer Großeltern liegt, und vermochte ſie, zu Bette zu gehrn und um ihretwillen Ruhe zu ſuchen. Sie willfahrte meinen Wünſchen, ſtellte ſich, als ſchliefe ſie, aber ich horte ſie oft leiſe weinen. Ich mußte mehrere Male in Hagar's Zimmer geben, um Serena Nachricht von ihrem Zuſtand zu bringen. Bär hält ihn nicht für tödtlich. Dazwiſchen hinein öffnete ich die Thüre im Schlafzimmer der Alten langſam. Aengſtliche Fragen wegen des geliebten Kindes wurden herausgeflüſtert und immer tröſtende Antworten ertbeilt. Bär war bei Allen, brummte über Alle her, ermunterte Alle und gab Allen ſtillende Tropfen. Dreimal in der Nacht kam Bruno, wollte aber nicht hineingehen, ſondern verlangte