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Ueber Berg und Thal, durch Wald und Wieſen ſtreifte raſtlos hin der Lärm. Es war eine wilde Jagd. Von Kluft zu Kluft, von Verſteck zu Verſteck verfolgte ich den fliehenden Hirſch. Stunden gingen dahin, der Hirſch floh, ich folgte, die Hunde heulten in raſtloſem Lauf; es war, als ſollte die Jagd kein Ende nehmen. Die Hunde wurden müde, aber ich ermüdete nicht; mein Pferd ließ nach, aber ich ſpornte es, ein Dämon jagte mich und ich jagte den Hirſch— immer brennender wurde mein Durſt.“
„Einen Augenblick ſchwieg der Lärm; ich hatte den Hirſch aus den Augen verloren, aber als ich aus einem Dickicht hervorritt, ſah ich ihn plötzlich keuchend an einem kleinen rinnenden Bächlein ſtehen. Er war nicht weit von mir, er ſah mich, aber Durſt und Müdig⸗ keit überwogen die Furcht. Er ſtand ſtille und trank. Ich ſchoß, er ſiel. Beim Knall des Schuſſes bekamen die Hunde neues Leben; ſie ſtürzten hervor und ihre blutigen Rachen ergriffen die Beine des Hirſches und zerrten an den feinen Aeſten ſeines Geweihes. Ich warf mich vom Pferde und eilte hin, um meinem Opfer den Todesſtoß zu geben. Schon hielt ich das Meſſer an ſeiner Kehle, da wendete er ſeine ſchönen ſterbenden Augen voll Thränen gegen mich und ſah mich mit einem traurigen, vorwurfsvollen Blicke an. Es ging mir wie ein Stich durch's Herz und ſtumm und düſter ſah ich in dieſe Augen, die mit jedem Augenblick menſchenähn⸗ licher wurden. Zuletzt— o entſetzlich— ſah ich, daß es — deine Augen waren, Serena;— du warſt es, die ich gemordet halte— du warſt es, die mich ſo anſah. All⸗ mächtiger Gott! Wenn je dein Blick..
„Bruno, Bruno!“ unterbrach ihn Serena, zärtlich und aufgeregt.“„Warum ſo ſprechen? Es war ja bloß ein Traum! Und ein garſtiger, unvernünftiger Traum! Sieh mich an, Bruno; nein, wende dich nicht ab! O ſieh mich an, ſieh, daß nie ein ſolcher Blick dir aus meinen Augen begegnen kann. Ach, daß du wüßteſt,


