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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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Worten, welche nur die Liebe des Weibes hervorzubrin⸗ gen vermag, um die Urſache fragte. Bruno antwortete:

Ich habe heute Nacht einen böſen Traum gehabt die Erinnerung daran quält mich noch jetzt.

Einen Traum, Bruno?

Za, einen Traum poll ich ihn dir erzählen?

Ja, erzähle.

Nun gut, Serena. Ich träumte, du ſeieſt meine Gattin geweſen. Du warſt mein eigen, die Gefährtin meines Lebens, die Hälfte meines Ichs, meine Gattin, und ich war nicht glücklich. Jahre waren dahin ge⸗ ſchwunden; du warſt mein; ich liebte dich wie jetzt und wo möglich noch mehr; wir hatten ßille Tage verlebt; wir hatten oft die Sonne untergehen und die Sterne über dem Helgaſee aufſteigen ſehen; bei dem Schatten der Nacht halte ich dich in meine Arme geſchloſſen, ich hatte an deiner Bruſt geruht, aber ich war nicht glücklich. Ich träumte, es ſei jetzt wieder Abend. Die Sterne ſtiegen einer nach dem andern auf und ſpiegel⸗ ten ihre zitternden Strahlen in ruhigen Wellen; der Himmel war klar und der Wald um uns her ſchweig⸗ ſam und ſtille. Du warſt meine Galtin, du warſt in meinen Armen, aber ich hatte keinen Frieden. Es war in meinem Herzen ein dumpfer Schmerz, wie von einer eiternden Wunde denn auch die Seele, Serena, kann ſolche Wunden haben, aber du kennſt ſie nicht, um meinen Schmerz zu betäuben, drückte ich dich an mein Herz. Ach! Es ſchmerzte um ſo mehr; ich meine, ich fühle es noch; lege deine Hand hieher, Serena

Bruno ſchwieg einen Augenblick und fuhr dann ort: Es ging eine Veränderung in meinem Traume vor. Ich befand mich allein im Parke bei Ramm. Ich jagte einen Hirſch und meine Hunde verfolgten ihn mit aufgeſperrtem, blutdürſtigem Rachen. Auch ich war durſtig, es kam mir vor, als dürſtete ich nach Blut.