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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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iſt ein großes Glück, Marie, in einem guten Mann auch einen angenehmen Geſellſchafter zu haben.

Bei Dahl's rüſtet man ſich ſchon zur Hochzeit. Bruno treibt, treibt und treibt vorwärts mit ſeiner Liebe und ſeinem argen Willen. Mag er mir den Ausdruck verzeihen! Es iſt jetzt beſchloſſen, daß die Hochzeit im Mai ſtattfinden und daß meine liebe Freun⸗ din Mattea an Serena's Stelle bei den alten Dahl's bleiben ſoll. Serena wird ſich abwechslungsweiſe auf Ramm und bei ihnen aufhalten.

Serena iſt die liebenswürdigſte Braut und zugleich dieſelbe gute Freundin, dieſelbe vortreffliche Tochter und Hausfrau wie früher. Sie iſt daſſelbe ſchüchterne Weib, das ſie vor ihrer Verlobung war und wird wohl als Frau nicht anders werden. Dabei iſt ihr Beneh⸗ men gegen Bruno ſo anziehend, daß es ihn unwillkür⸗ lich zwingt, ſie anzubeten. Was ſoll ich im Uebrigen von Bruno ſagen? Er iſt gut und nicht gut, glücklich und nicht glücklich; Tag und Nacht, Sonnenſtrahlen und Gewitterwolken wechſeln beſtändig bei ihm. Er kommt mir vor, wie ein Menſch, welcher fühlt, daß er ſein Glück nicht verdient und deßhalb theils mit ſich ſelbſt uneins, theils beſtändig in Angſt iſt, es möchte ihm wie⸗ der entriſſen werden. Möchte ich hierin Unrecht haben!

Dieſer Tage kam er in Serena's Zimmer, als ich, aber ſie nicht, darin war. Er ſprach einige Worte mit mir, ſchien aber bald zu vergeſſen, daß ich im Zimmer war. Mit einer Art ſchmerzlicher Zärtlichkeit betrach⸗ tete er Serena's Bücher, Gemälde, Nähzeug; er ſah ſich im Zimmer um und ſagte leiſe für ſich:Unſchuld, Reinheit, Ruhe! Er nahm einen kleinen hellgrünen ſeidenen Shawl, den Serena oft trägt, küßte ihn und hüllte ſein Geſicht darein. Nach einer Weile ſtand er heftig auf und ging hinaus. Ich ſah den kleinen Shawl an; er war feucht von Thränen.

Ruhe! ſagte Bruno, und er ſeufzte ſo tief, ſo ſchmerzlich. Ach, Ruhe hat er nicht. Er kann nicht

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