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Die Gymnaſtik war in der Mode als ein Heilmittel für alle Arten von Gebrechen, und meine Eltern be⸗ ſchloſſen, auch mich turnen zu laſſen. In garnirten Beinkleidern, einem grünen Oberrock und einem Tüll⸗ häubchen mit Roſabändern auf dem Kopf trat ich eines ſchönen Tags unter einen Haufen von 30— 40 ungefähr ebenſo gekleideter Figuren, die luſtig in einem großen Saal voll Seilen, Leitern und Stangen herumſchwärm⸗ ten. Es ſah wunderlich und beinahe unheimlich aus. Am erſten Tage verhielt ich mich rubig und ließ mir von einer Lehrerin Rückenbiegung, ſowie Arm- und Beinbewegungen beibringen. Am zweiten Tage ſchmol⸗ lirte ich mit einigen von den Mädchen, am dritten wett⸗ eiferte ich mit ihnen auf Seilen und Leitern; vor dem Ende der zweiten Woche führte ich die zweite Rotte an und fing an ſie zu allerhand Unternehmungen aufzu⸗ muntern. Ich las damals die griechiſche Geſchichte. Ihre Helden und deren Großthaten umſchwebten mich in den Sälen der Gymnaſtik. Ich ſchlug meiner Rotte vor, antike Männernamen anzunehmen und einander an dieſem Orte fortan nur:„Agamemnon, Epaminondas, Pelopidas u. ſ. w. zu nennen. Für mich wählte ich den Namen Oreſtes und meine beſte Freundin in der Rotte nannte ich Pylades. Ein großes mageres Mädchen mit finniſchem Accent, das mir beſonders wegen ſeiner unehrerbietigen Unabhängigkeit von mir und meinen Ideen, die es jederzeit zu erkennen gab, zuwider war, hatte die Frechheit, ſich über dieſe Namensveränderung luſtig zu machen und nannte lachend mich und meine Freundin, die wir beide klein waren, Orre und Pylle. Dieß verdroß mich tief, beſonders weil es der ganzen Schaar den griechiſchen Geiſt nahm, den ich ihr ein⸗ flößen wollte. Meine lange Feindin erklärte, durchaus keinen andern Namen, als Brita Kajſa führen zu wollen; ich aber fuhr deßungeachtet fort, ſie Darius zu nennen. Es kamen noch neue Veranlaſſungen zu Streitigkeiten hinzu. So ſehr ich in die griechiſche Geſchichte verliebt
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