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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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Aber Sie wird Ehre und keine Schande von der Sache haben, und wird in Ihrem Innern fühlen, daß ein gutes Gewiſſen ein fröbliches Geſicht, daß ein gutes Gewiſſen das beſte Confekt iſt.

Na chére meère's gute Rathſchläge ergötzten mich ungemein. Unglücklicherweiſe hatte ſie zwei arme, alte Fräuleins zum Eſſen geladen, die zum Theil von ihren Geſchenken lebten. Sie kamen, als ma chère méère und ich gerade im beſten Plaudern waren⸗ Die eine von ihnen hatte zwei Reiben gefaltelte Streifen als Garnirung an ihrem Kleide. Ma chère mere's Geſicht verfinſterte ſich dei dieſem Anblicke, und taum hatte das Unglücks⸗ fräulein gegrüßt und ſich geſetzt, als ma chère mére ſie ſehr ſcharf über dieſe zwei Garnirungen anließ. Eine Garnirung, ſagte ma chère mère,war ſchon unnöthig, aber zwei ſind unverzeihlich. Das arme Fräulein wurde entſetzlich ausgezankt. Vergebens ſuchte ſie ſich damit zu entſchuldigen, die obere Reche ſei nur angeſetzt, um eine Naht zu verbergen.Ich will Ihr nur ſagen, meine liebe Freundin, ſchrie ma chère mère,daß, wenn man nicht zu gut iſt, um Almoſen anzunehmen, ſo iſt man auch nicht zu gut, um eine Raht zu zeigen. Ja, ja, das muß ich Ihr ſagen: Ar⸗ muth iſt keine Schande nicht Jeder iſt mit dem ſilbernen Löffel im Munde geboren aber Hoffarth in der Armuth, das iſt der Teufel im Hauſe. Nun, nun, hänge Sie deßwegen nicht das Maul. Verweiſe ſind keine Mühlſteine und veißen nicht bis auf's Bein. Trenne Sie ihre zwei Garnirungen los und ich will dafür ſorgen, daß Sie ein Kleid bekommt, woran man keine Naht ſieht. Das alte Fräulein ſah vollkommen getröſtet aus, ma cheère möre wurde wieder ausge⸗ zeichnet gut, und als ich das Cabriolet rollen hörte und aufſtand, um Abſchied zu nebmen, ſagte ſie ſehr freund⸗ lich:Ja, ja, jetzt geht Sie wieder, Franziske. Ich kann mir wohl denken, daß es jetzt nicht paſſen würde, Sie und Ihren Mann zum Mittageſſen einzuladen;