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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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Ich ſagte ma chère mére dieſes Liedchen. Sie lachte, bemertte aber ernſthaft:Das Lied iſt wahrhaftig nicht ſo toll, meine kleine Freundin. Ich will zwar nicht ganz ſo ſprechen, aber ebenſo viel will ich ſagen, daß ein Spaziergang und ein Tanz mit einem andern Mann, als dem eigenen, ſeine ganz bunten Seiten hat. Eine junge Frau merke Sie ſich das wohl! kann in ihrem Benehmen nicht vorſichtig genug ſein, damit ſie ſich keine Blöße gibt. Sie mag ſich vorſehen, meine liebe Franziske, Sie mag ſich vorſehen! Ich behaupte zwar, daß unſere gegenwärtige Zeit moraliſcher iſt, als in meiner Jugend, wo König Buſtav III., höchſtſeligen Angedenkens, franzöſiſche Mode und franzöſiſche Sitten in unſerem Lande einführte, und ich glaube, daß es jetzt weit weniger Gottesläugner und Asmodi in der Welt gibt. Aber wie geſagt Sie mag ſich vorſehen, Franziske. Der Verſucher mag auch zu Ihr kommen, wie er zu mancher Anderen gekommen iſt. Nicht weil Sie ſo ſchön iſt, denn Sie iſt gar nicht ſchön und ſehr klein iſt Sie, aber Ihr Aprilgeſicht hat doch ſeine kleinen Reize und dann ſingt Sie ganz niedlich wie geſagt, Sie hat Ihre kleinen Partien. Kommt daher eines Tags ſo ein Junker Gelbſchnabel und will vor ihr figu⸗ riren, ſo hörd Sie auf meinen Rath halte Sie ihn in Diſtance, halte Sie ihn in Diſtance durch würdiges Benehmen. Will er ſich aber nicht daran kehren, kommt er näher und ſpricht ſchlechte verführeriſche Worte, da ſoll Sie ihn mit höchſt verwundertem Geſichte anſehen und zu ihm ſagen:Mein Herr, Sie irren ſich, es kann nicht ſein, daß Sie mich meinen. Läßt er ſich auch dadurch nicht berichten, ſondern kommt noch einmal, dann gehe Sie geradezu zu Ihrem Mann und ſage zu ihm:Mein Freund, fo und ſo ſtebt's: ſo und ſo habe ich's gemacht. Thu du jetzt, was du für gut findeſt. Und verlaſſe Sie ſich darauf, meine liebe Franziske, daß der Korydon dann bald merkt, wie viel Uhr es ge⸗ ſchlagen hat und mit Schande ſeines Weges ziehen muß