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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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nahm die Zügel in die Hand. Hinten ſtand ein Be⸗ dienter. Ma chère mére that einen fürchterlichen Knall und wir fuhren ab. Im Anfang hatte ich Angſt, denn es ging in geſtreckter Fahrt und der Himmelswagen lief nichts weniger als himmliſch. Einmal wurden die Pferde widerſpenſtig. Ma chére mére ſtand im Wagen auf und ließ ſie die Peitſche fühlen, bis ſie zum Ge⸗ horſam zurückkehrten. Mit einem vergnügten:der Henker hole mich, wenn ich ſie nicht in Ordnung halte! ſetzte ſie ſich dann wieder. Als ſie mich ganz bleich ſah, lachte ſie, fuhr aber dennoch nachher langſamer und unterhielt ſich dazwiſchen recht heiter mit mir, auch mußte ich ihr von meinen Haushaltungs⸗Angelegen⸗ heiten auf Roſenvik erzählen. Nachdem ich mich über⸗ zeugt hatte, daß ma chère mére ein vortrefflicher Kutſcher war, wurde es mir wieder ganz ruhig und vergnügt zu Muth und ich überließ mich dem Vergnü⸗ gen, das ich immer unwillkürlich in ihrer Nähe em⸗ pfinde. Wir beſahen eine Menge Höfe, Neubrüche, Aus⸗ teichungen u. ſ. w. Ma chéère moére unterhielt ſich mit mehreren Perſonen, ſchalt einige, lobte andere; über⸗ haupt ſchien mir das Verhältniß zwiſchen der Guts⸗ veſitzerin und ihren Untergebenen ſehr gut zu ſein und ſie einander recht wohl zu verſtehen, indem ſie ſich Sprichwort um Sprichwort zuriefen.

Auf unſerer Fahrt waren wir nahe daran, den Land⸗ richter Hök umzuwerfen, der in ſeinem Desobligeant ſich einherbewegte und deſſen Kutſcher beim Anblick des Himmelswagens ſo verblüfft wurde, daß er Rechts und Links verwechſelte und auf dieſelbe Seite auswich, wie dieſer. Um ein Kleines wäre der Desobligeant über den Haufen geworfen worden.Wie zum Henker fahren Sie denn, Landrichter? ſchrie ma chère möére mit don⸗ nernder Stimme, während ihre kräftige Hand die Pferde zurückhielt und durch eine ſchleunige Wendung auf die Seite alles Unglück verhütete. Bald ſtanden Himmels⸗ wagen und Desobligeant ganz vertraulich neben einander