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Zweiter Brief.
Roſenvik den 9. Juni.
Geſtern Morgen war klares, friſches Wetter. Ich ſetzte mich zu Bär in's Cabriolet, als er wie gewöhn⸗ lich, um acht Uhr Morgens in die Stadt fuhr. In Carlsfors verließ er mich und verſprach, mich auf dem Heimweg abzuholen,„im Fall er es nicht vergeſſe.“ „Es vergeſſen? Abſcheulicher Bär!“ Mit dieſem Reiſe⸗ paß fuhr er ab. Ich ging die lange ſchöne Allee hinab, die zum Hauptgebäude führt. Auf dem Hofe ſtand eine hohe, wunderliche Figur. Sie trug einen weiten grauen Mantel, ein grünes Kaskett und ſchlug mit etwas, das einem Zauberſtabe glich, um ſich, während ſie mit ſtarker Stimme rief:„Fahret vor— hört ihr, fahrt vor mit dem Himmelswagen!“ Ich blickte unwillkürlich gen Him⸗ mel und der Gedanke an den Wagen des Propheten Elias fuhr in mich hinein, aber ſogleich wieder aus mir heraus, als ich in der Ruſerin mit dem grauen Mantel ina chère more erkannte. Als ich näher kam, hörte ich heftig auf einen Stallknecht ſchimpfen, weil der Haber ſchon aus ſei, und ſie begleitete ihre Moralpredigt mit kräftigen Peitſchenhieben— wiewohl nur in die Luft. Sobald ſie mich erblickte, veränderte ſich ihr Geſicht: ſie ergriff lebhaft meine Hand, drückte ſie und ſagte freundlich:„Ei, ſieh da, guten Tag, meine liebe Fran⸗ ziske! Sie kommt zur rechten Stunde. Ich habe heute meinen Januarius angezogen,(ſie zeigte auf den Man⸗ tel) denn es kam mir kalt vor. Meine Grauen mit dem Himmelswagen werden bald ankommen, wir wollen ein Bischen mit einander herumrutſchen.“ In dieſem Augen⸗ blick fuhren vier Pferde an einer merkwürdigen Equi⸗ page mit einem auf vier Pfeilern ruhenden Himmel in den Hof. Es war der Himmelswagen. Ma chère mère hieß mich einſteigen, kletterte ſelbſt nach und


