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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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O Marie, laß uns Frauen und Hausmütter dieſe Strafe nicht verdienen. Laß uns, wenn wir vor den Richterſtuhl des Allvaters treten, rein ſein von Undank⸗ barkeit und Mißhandlung gegen die lebendigen Weſen, vie er geſchaffen hat. Laß uns verdienen, in einer beſſern Welt veredelte Thiergeſchlechter um uns zu ſehen und dort mit ihnen in dem liebevollen Verhältniſſe zu leben, das wir ſchon auf Erden begonnen haben.

Hier kommt Bär und bereitet mich auf die Nothwen⸗ digkeit baldiger Beſuche bei unſern zahlreichen Nachbarn vor; auch verſichert er, es gebe Leute, die ſich darnach ſehnen, mich zu ſehen, ſehr gute und verſtändige Leute. verſichert er. Mach dich alſo darauf gefaßt, Marie, bald neue Bekanntſchaften zu machen. Auch Schwäger und Schwägerinnen werde ich dir demnächſt vorſtellen können. Ich freue mich auf ihre Ankunft; beſonders bin ich be⸗ gierig, Bärs liebſten Bruder, Peter Mansfelt kennen zu lernen, der ein höchſt liebenswürdiger Charakter und ein ausgezeichneter Juriſt ſein ſoll. In einem Monat erwar⸗ ten auch wir auf Roſenvik einen Gaſt. Unter ſolchen Ausſichten und beſonders an Bärs Seite, ſehe ich einem heitern und glücklichen Leben entgegen. Ich könnte Luſt bekommen, einen Roman darüber zu ſchreiben. Die Ro⸗ mane endigen gewöhnlich mit einer Heirath. Sollte nicht der eigentliche Roman des Menſchenlebens damit an⸗ fangen? Im Ganzen betrachtet, iſt wohl das Leben des Menſchen ein Roman, eine kleine Epiſode in dem gro⸗ den Roman, genannt das Buch des Lebens, der von dem originellen Verfaſſer derWelt geſchrieben wird. Nimm alſo an, Marie, daß ich dir einen kleinen Roman ſchreibe. Laß ihn, meine gute, holde Leſerin einen Platz in deinem Herzen finden. Heiter oder traurig mag er nun werden, wie er will, wenn er nur nicht von dir verworfen wird. Lebe wohl und denke freundlich an deine romanhaft geſtimmte, treuergebene Franziske.