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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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junges Bauernmädchen von ſo fröhlichem, unſchuldsvol⸗ lem und ſogar ſchönem Ausſehen, daß es einem ordentlich wohlthut, ſie anzublicken. Sie iſt ſtill und fleißig, hat ihren guten Verſtand und ein gutes Herz, und ich will mir ein Vergnügen daraus machen, ſie zu erzieben. Wenn Goit mir Kinder ſchenkt, ſo ſoll Siſſa ſie hüten. Ich will ſie zu einer tüchtigen Bonne für ſie heranbilden, ſo daß ich ihretwegen beruhigt ſein kann, wenn ſie auch nicht in meinen Armen ſind. Meine eigenen Erinnerun⸗ gen aus der Kindheit ſagen mir, wie wichtig dieſe erſten Eindrücke ſind. Reinheit, Güte, Verſtand ſollen an meiner Kinder Wiege wachen, ſie ſollen dort ſchon an⸗ fangen, ſich in ihren Seelen anzufiedeln. Man wird nicht leicht kalt für die Freude ſeiner Kindheit.

Ich ſpreche von Heranbildung eines Mädchens, aber glaube mir, liebe Marie, daß ich es nicht vergeſſen werde, mich ſelbſt zu bilden. Warum erliſcht die Flamme auf dem Alkare der Ehe ſo leicht? Weil die Gattin es vergaß, das Feuer zu ſchüren. Man muß ſich mit dem Leben entwickeln und ausbilden; dann wird das Leben ſelbſt eine Entwicklung von Liebe und Glück.

Mein erſtes Anliegen iſt jetzt, mein Haus zu ord⸗ nen, ſo daß Behaglichkeit und Ruhe darinnen wohnen können. Ich will eine kluge Geſetzgeberin in meiner kleinen aber nicht geringen Welt zu ſein ſuchen. Und weißt du, welches Geſetz ich vor allen andern zu er⸗ laſſen und mit ſtrenger Genauigkeit zu handhaben ge⸗ denke? Ein Geſetz für die Behandlung der Thiere. Es ſoll folgende Artikel enthalten: 5

Alle Thiere auf dem Gute ſollen mit der größten Sorgfalt gepflegt und freundlich und liebreich behandelt werden. Sie ſollen glücklich leben.

Das Schlachten ſoll ſo vor ſich gehen, daß die Thiere ſo wenig als möglich Schmerzen haben.. Kein Thier darf in der Küche gemartert, kein giſch lebendig gereinigt werden, oder in der Pfanne