21
zu. Jetzt bat ich ihn, wenn er mich lieb habe, ſeine Pfeife auf's Neue anzuzünden und hier an meiner Seite auszurauchen. Er wollte nicht, aber ich bat ſo lange und innig, bat es mir als ein Zeichen ſeiner Verzeihung aus, daß er es endlich that. Ich hielt meine Naſe ſo⸗ viel als möglich im Rauche. Es war für mich der Opferduft der Verſöhnung. Einmal war ich nahe daran zu huſten, allein ich verwandelte es in einen Seufzer und ſagte:„Ach, mein Bär, deine Frau wäre nicht ſo garſtig geweſen, wenn du ſie nicht den ganzen Tag ver⸗ geſſen hätteſt. Sie verlor die Geduld aus Sehnſucht nach dir.“ Bär nahm die Pfeife aus dem Mund, ſah mich freundlich, aber halb vorwurfsvoll an und ſagte: „Ich hatte dich nicht vergeſſen, Fanny, ſondern ich war an einem ſchmerzvollen Todtenbette im nächſten Bauern⸗ hofe. Dieß hinderte mich, bei dir zu ſein.“ Ich hielt die Hände vor's Geſicht und ſchämte mich in die Seele binein. Ich, die ein ſo ſchlechtes und falſches Miß⸗ trauen gegen ihn hegte und mich in der Thorheit ge⸗ rächt hatte— ich Unwürdige! Ich, die ich meinen Bär ſo glücklich machen ſollte— welche ſüße Erquickung hatte ich jetzt dem müden und betrübten Manne bereitet? Der Gedanke an meine Abgeſchmacktheit quält mich noch in dieſem Augenblicke und mein einziger Troſt iſt das Bewußtſein, daß Bär und ich einander nach dieſer Scene noch inniger lieben als vorher. Geliebter, guter Bär! Ehe ich dir wieder einen verdrießlichen Augenblick verurſache, magſt du alle Tage im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, ja im Bette ſelbſt, wenn du willſt, rau⸗ chen. Doch bitte ich zu Goit, daß dich dieſe Luſt nicht anwandeln möge.
Und jetzt kehre ich zu deinem Brief zurück und zu der Frage, ob ich dir als verheirathet eben ſo gern und eben ſo offenherzig ſchreiben werde, wie in meinem ledigen Stande? Ja, meine Marie, du darfſt es überzeugt ſein, und ich kann ſchon nicht anders. Es ſind ſieben Jahre, daß ich dich kennen lernte, und von dieſem Augenblick an


