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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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warſt Du mein Gewiſſen, mein beſſeres Ich. Du warſt der reine Spiegel, worin ich mich ſo erblickte, wie ich war; du warſt jederzeit aufrichtig, wiewohl gütig gegen mich und obgleich ſeit zwei Jahren durchs Meer von mir getrennt, biſt du immer dieſelbe geblieben. O bleibe es doch, Marie! Ich fürchte ſonſt mich ſelbſt zu verlieren. Unter deinen Augen und mit deiner Hülfe wurde ich erſt ein wahrer Menſch; unter deinen Augen und mit deinem Rath will ich mich auch zu einer guten Gattin ausbilden. Es iſt mir ein ſo freundlicher Gedanke, es macht mein Leben reicher, es vor dir und ſo zu ſagen mit dir leben u dürfen, obgleich Länder und Meere uns trennen. eberdieß gehört Bär nicht zu den Männern, die auf die Freunde oder Freundinnen ihrer Frauen eiferſüchtig ſind; er meint nicht, daß man einem Freunde entſagen müſſe, wenn man einmal einen Mann oder eine Frau habe. Bär will Nichts, was das Herz verengt, er iſt zu gut, zu geſcheidt dazu. Ich glaube, daß er gerne die Worte eines geliebten Lehrers, der mich in der Re⸗ ligion unterrichtete, unterſchreiben wird:Es verhält ſich mit dem Herzen, wie mit dem Himmel; je mehr Engel, je mehr Raum. Ah! Sieh da mein Bär. Lies was ich geſchrieben habe und unterzeichne

är.

Freltag den 6. Juni.

Gott ſey Dank, es macht ſich gut mit ma chère mère und mir. Wie kann doch ein Tag dem andern ſo unähnlich ſein! Am Dienſtag ſo langweilig geſtimmt, geſtern ſo vergnügt. Ich ſchlug Bär vor, Nachmittags einen Beſuch bei ma chére mére zu machen. Er war mit großem Vergnügen bereit. Unterwegs erzählte ich ihm, wie ungeſchickt ich mich das letzte Mal aufgeführt und ſagte, ich möchte gern den Eindruck verwiſchen, den ich damals gemacht haben müſſe. Bär lachte, ſchnitt Geſichter, ſah freundlich aus und wir kamen an Ort und Stelle. Es war große Unruhe im Hauſe. Sämmt⸗