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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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2 3 12 Als ich am Morgen meine Augen aufſchlug, ſah. ich, daß mein Adam bereits hell wachte und ſeinen Blick do mit einem gewiſſen andächtigen Ausdruck nach dem Fen⸗

ſter richtete, wo ein Sonnenſtrahl durch eine Oeffnung in den blaugeſtreiften Rouleauxr ſeinen Einzug hielt. Eine Katze miaute.*.

Mein geliebter Gemahl! begann ich feierlich,ich danke dir für die ſchöne Muſik, die du zu meinem Will⸗

komm beſtellt haſt. Vermuthlich haſt du auch eine Schaar m

weißgekleidete junge Landmädchen beordert, um Tannen⸗

reis vor meine Füße zu ſtrenen. Ich werde bald bereit

ſein, ſie zu empfangen. ur Ich habe etwas Beſſeres beſtellt, als dieſen alt⸗ de

modiſchen Aufzug, ſagte Bär munter.Gemeinſchaft⸗ ſo

lich mit einem großen Künſtler habe ich ein Panorama

angeordnet, das dir zeigen ſoll, wie es ausſieht im ich

wüſten Arabien. Du brauchſt bloß dieſe Gardine auf⸗ ſ⸗

zuziehen. Du kannſt dir vorſtellen, daß ich bald am Fenſter

war und mit heimlichem Schreck den Vorhang aufzog. ſo

Ach, Marie, da lag im Morgenglanz ein ſpiegelklarer

See vor mir, rings herum grüne Wieſen und Haine

und mitten im See ein Inſelchen mit einer hohen Eiche darauf, und die Sonne ſchien klar über dieſes Alles. Alles war ſo ruhig, ſo paradieſiſch ſchön! Ich ward P von dieſem Anblick ſo dahingeriſſen, daß ich im Anfang D kein Wort ſagen konnte. Ich legte bloß meine Hände Le zuſammen und Thränen füllten meine Augen. V

Werde glücklich hier! flüſterte Bär und ſchloß de mich an ſein Herz. de

Ich bin glücklich... zu glücklich; ſagte ich tief de gerührt und dankbar. be

Siehſt du die Inſel die kleine Schwaneninſel? R Dorthin werde ich dich Sommers oſt rudern. Wir wer⸗ 3 den unſer Abendbrod mitnebmen und es dort verzehren. e

Warum nicht das Frühſtück? rief ich plötzlich begeiſtert aus.Warum trinken wir nicht gleich heute