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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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gütigen Lächeln:Ich will euch heute Abend nicht auf⸗ halten, ſo lieb es mir iſt, euch zu ſehen. Ich kann mir wohl denken, daß es euch nach Hauſe zieht. Bleibt morgen daheim, wenn ihr wollt, aber übermorgen kom⸗ met und eſſet mit mir zu Mittag. Im Uebrigen wißt ihr wohl, daß ihr jederzeit willkommen ſeid. Füllet jetzt eure Gläſer, kommet und trinket den Leuten zu. Den Kummer mag man für ſich behalten, die Freude aber ſoll man gemeinſchaftlich genießen.

Wir gingen mit gefüllten Gläſern und ma cheère möre als Herold in den Tanzſaal. Man erwartete uns gleichfalls mit gefüllten Gläſern und ma chére mére hielt folgende Anrede an ihre Leute:Man ſoll nicht Juchhe rufen, ehe man über den Bach iſt, aber wenn man ſich mit Gottesfurcht und Klugheit in das Fahr⸗ zeug der Ehe geſetzt hat, ſo gilt das Sprüchwort: Gut begonnen iſt halb gewonnen, und darauf, meine Freunde, wollen wir dieſem Ehepaar, das ihr vor euch ſeht, eine Geſundheit zutrinken und wünſchen, daß ſie beide, ſo wie ihre Nachkommen, jederzeit im Kohlgarten unſeres Herrn ſitzen mögen. Proſit!

Proſit, Proſit! ertönte es von allen Seiten; Bär und ich leerten unſere Gläſer, dann gingen wir herum und ſchüttelten eine Menge Leute die Hände, bis es mir ganz ſchwindlich im Kopfe wurde. Als die⸗ ſes vorbei und wir reiſefertig waren, kam uns ma chére mère mit einem Paket in der Hand auf die Treppe nach und ſagte freundlich:Nehmet dieſen Kalbsbraten da auf Morgen zum Frühſtück mit, Kinder. Später könnt ihr eure eigenen Kälber mäſten und eſſen. Aber bedenke Sie wohl, Tochter, daß ich meine Serviette wiever haben will. Nein, Sie ſoll es nicht tragen, liebe Freundin, Sie hat genug mit Ihrem Beutel und Ihrem Mantel zu thun. Lars Anders ſoll den Kalbsbraten tragen. Und ſie legte ihm, wie einem kleinen Knaben, das Päckchen auf den Arm, zeigte ihm, wie er es tra⸗ gen ſolle, und Bär that, wie ſie ſagte. Ihre letzten

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