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Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
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euch zu ſagen, daß mein lieber Sohn Lars Anders Werner jetzt dieſe Franziska Buren, die ihr hier an ſeiner Seite ſeht, als Frau heimführt. Die Ehen wer⸗ den im Himmel geſchloſſen, meine Kinder, und wir wollen den Himmel bitten, ſein Werk an dieſem Paare zu ſegnen. Wir wollen heute Abend Alle mit einander ein Glas auf ihre Geſundheit trinken. So, jetzt könnt ihr weiter tanzen, Kinder. Olof! komm her, nimm die Geige und ſpiele ſo gut du kannſt.

Während die Verſammlung jubelnd Glück wünſchte, nahm ma chére mère mich bei der Hand und fübrte mich nebſt Bär in ein anderes Zimmer. Hier befahl ſie Punſch und Gläſer. Dabei ſtemmte ſie beide Ellen⸗ bogen auf den Tiſch, hielt die geballten Fäuſte unter das Kinn und ſah mich mit einem mehr düſtern als freundlichen Blicke ſtarr an. Bär, der ſah, daß dieſe Muſterung mich in Verlegenheit brachte, fing an, von der Erndte und ſonſtigen ländlichen Angelegenheiten zu ſprechen. Ma chére mére ſeufzte ein paar Mal ſo tief, daß es einem Stöhnen glich, worauf ſie ſich Gewalt anzuthun ſchien, Bär's Fragen beantwortete, und als der Punſch kam, uns zutrank, indem ſie mit ernſtem Blick und Ton ſagte:Sohn und Söhnerin, eure Ge⸗ ſundheit! Sodann wurde ſie freundlicher und ſagte in einem ſcherzenden Ton, der ihr ſehr gut ſtand:Lars Anders, ich glaube nicht, daß man ſagen kann, du habeſt eine Katze im Sack gekauft. Deine Frau ſieht gar nicht übel aus und hat ein paar Augen, mit denen man Fiſche fangen könnte. Klein iſt ſie, ſehr klein, das iſt wahr, aber klein und keck ſticht oft den Großen weg!

Ich lachte, ma chère mére auch; ich fing an, mich in ihre Art und Weiſe zu finden. Wir plauderten eine Weile munter mit einander und ich erzählte einige kleine Reiſeabenteuer, die ma chère meére ſehr beluſtig⸗ ten. Nach einer Stunde ſtanden wir auf, um Abſchied zu nehmen und ma chéère mére ſagte mit einem ſehr