Druckschrift 
Die Nachbarn : Skizze aus dem Alltagsleben / von Friederike Bremer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

wie ich wußte, Bär vor ihr hatte, ein Bischen bange war. Dieſer Beſuch ſchien mir ganz mal à propos⸗ allein Bär hatte ſeine eigenen Ideen und ich ſah ihm an, daß es jetzt nutzlos ſein würde, mich dagegen zu ſträuben.

Es war Sonntag, und als der Wagen anhielt, hörte ich die Muſik einer Geige.Aha! ſagte Bär,um ſo beſſer! Er hüpfte ſchwerfällig aus dem Wagen und hob mich heraus. An Schachteln und Pakete war nicht zu denken. Bär nahm mich bei der Hand, führte mich die Treppe hinauf in den prächtigen Vorſaal und zog mich nach der Thüre, von wo man Muſik und Tanz hörte.Sieh da! vachte ich,nun ſoll ich wohl gar in dieſem Aufzuge tanzen. Ich wollte irgendwo hin⸗ eingehen, wo ich den Staub von Naſe und Hut ab⸗ waſchen und mich wenigſtens im Spiegel ſehen könnte. Unmöglich! Bär, der mich fortwährend am Arm führte, verſicherte mich, ich ſehe allerliebſt aus und ſagte, ich fönnte mich ja in ſeinen Augen ſpiegeln. Ich mußte ſo unhöflich ſein, ihm zu ſagen, daß ſie zu klein ſeien. Er verſicherte, ſie ſeien dafür um ſo klarer und öffnete die Thüre in den Ballſaal. In einer Art luſtiger Ver⸗ zweiflung ſagte ich zu ihm:Nun, da du mich auf den Ball führſt, ſo ſollſt du auch mit mir tanzen, du Bär! Von Herzen gern! ſchrie Bär, und in demſelben Augenblick waren wir im Saal.

Mein Schrecken verminderte ſich bald, als ich in dem großen Zimmer bloß eine Menge geputzte Mägde und Knechte erblickte, die ſich luſtig mit einander herum⸗ ſchwangen. Sie waren von ihrem Tanze ſo in Anſpruch genommen, daß ſie uns kaum bemerkten. Bär führte mich an's obere Ende des Zimmers und dort ſah ich, auf einem hohen Sitze thronend, ein ſehr großes und ſtarkes Frauenzimmer von etwa fünfzig Jahren, das mit einem gewiſſen Ernſt und Eifer auf einer großen Vio⸗ line ſpielte und kräftig den Takt dazu ſtampfte. Auf dem Kopf hatte ſie eine ganz eigenthümliche hohe Mütze