88 Jakob von Artevelde.
„O, Mher Jakob! hört mich an, um Gottes Willen! Auf dem Sanct Pietersberge iſt eine gräßliche Verſchwö⸗ rung. Vierhundert Mörder! Sie kommen! Fliehet! Ach, rettet Euer theures Leben!“
Dann wieder mit fieberhafter Eile aufſtehend, lief er nach dem Kamine und ſagte:
„Horcht! Hört dort oben in der Luft das Geheul! Es nähert ſich! da ſind ſie!“
Zuerſt hatte die Ueberraſchung faſt Jeden beſtürzt gemacht; jetzt aber, wo die ſchreckliche Wahrheit nicht länger zu verkennen war, begannen ſie mit großer Angſt ſich nach Mitteln umzuſehen, um die Gefahr ſogleich zu beſchwören.
Ghelnoot van Lens verließ mit fünf oder ſechs An⸗ deren das Gemach und rief, daß man die Thüren mit Balken verſperren ſolle.
Ser van Vaernewyck, Jakob Maſch und Willem van Huſe bemühten ſich, mit Thränen in den Augen, den Oberhauptmann zur Flucht zu bewegen; allein ihr Bitten und ihr Flehen waren vergeblich. Artevelde wies ihren Rath mit kühler Dankbarkeit zurück und antwor⸗ tete ihnen nur mit dem Geſuch, ſie möchten ſeine Gattin und ſeine Kinder in Sicherheit bringen.
Die Freunde des Oberhauptmanns, überzeugt, daß er den Platz nicht verlaſſen werde und unwiderruflich be⸗ ſchloſſen habe, zu dem wüthenden Volke zu reden, woll⸗ ten Frau Artevelde und ihre Tochter mit Gewalt aus dem Zimmer führen; aber jetzt geſtaltete ſich ein ſchmerz⸗ liches Schauſpiel der Verzweiflung und der Liebe.
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