84 Jakob von Artevelde.
griff es, als ob es von einem geheimen Triebe fortge⸗ zogen würde, gleich wieder nach dem Dolche und fragte, als der Oberhauptmann ſeine Hand abwendete:
„Wann werden die Franzoſen nun kommen, Vater? Kann man ihrer viele mit ſolchem Dolche todtſtechen?“
Artevelde legte die Hand auf den Mund des Kindes und ſagte:
„Sei ſtill, Philipp! Schweſter Veerle iſt ſo krank.“
Nicht weit davon ſaß die Gemahlin des Oberhaupt⸗ manns. Ihre Augen waren roth und zeugten von bitte⸗ rem Schmerze. Sie hielt ihren Blick mit einem uner⸗ klärlichen Ausdrucke des Stolzes und der Furcht auf Artevelde gerichtet und ſchien tief zu leiden bei dem An⸗ blicke ſeiner ängſtlichen Liebe zu dem Kinde. Auf ihrem Schooße ruhte Veerle's Kopf, welche mit abgewandtem Angeſichte hörbar ſchluchzte.
Der Oberhauptmann mußte mit ſeiner Gattin ein langes und rührendes Geſpräch gehabt haben. An der tödtlichen Stille, die jetzt im Gemache herrſchte, merkte man deutlich, daß Alle daſelbſt von tiefem Wehe erfüllt waren und den Brunnen des Troſtes bis auf den Grund erſchöpft hatten.
Nach einiger Zeit ward die Frau auf's Neue erſchreckt durch ein Wort des Kindes. Thränen entſtrömten ihren Angen. Zugleich hörte man an der Vorderthüre einige Stimmen, unter denen man die des Oberſchöffen erken⸗ nen konnte.
„Jakob, da ſind Deine Freunde!“ ſagte die be⸗
trübte Frau.
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