70 Jakob von Artevelde.
„Es ſind wenige Gründe nöthig, Freund Vaerne⸗ wyck, um Euch auf andere Anſichten zu bringen,“ ant⸗ wortete der Oberhauptmann.„Was hindert Philipp von Valois, der in Atrecht(Arras) mit ſeinem Heere liegt, in unſer Land einzufallen? Was hindert ferner das zerſtörende Ungewitter des Aufruhrs, in Flandern loszubrechen? Allein die Gegenwart König Eduard's zu Sluis. Deſſen ſeid Ihr gewiß mit mir überzeugt. So⸗ bald daher das engliſche Heer ſich von unſeren Küſten entfernte, würden unſere äußeren wie unſere inneren Feinde augenblicklich aufſtehen und durch eine einzige Kraftäußerung unſer Vaterland in die Sklaverei zurück⸗ ſtürzen, aus der wir es gerettet zu haben glauben. Je⸗ der, und Ihr, meine Freunde, ſowohl als ich, hat die Ueberzeugung, daß Flandern ſich ſelbſt nicht mehr retten kann, weil das Volk nicht mehr ſeinen Willen dem Wil⸗ len ſeiner Regierung unterwirft. Was ich bin, werde ich allein durch die Wahl meiner Landesgenoſſen; meine Macht gehört mir nicht; ſie vergeht, ſobald das öffent⸗ liche Vertrauen, aus dem ſie entſproß, angegriffen oder geſchwächt wird. Ich erfahre das Schickſal aller Volks⸗ anführer; meine Befehle verwunden und erniedrigen, weil der Menſch nur zu gewiſſen Zeiten, und dann auch nicht lange, ſich von ſeinem eigenen Werke beherrſchen läßt. Was Flandern haben muß, iſt ein Fürſt, deſſen Recht zu gebieten aus einer höheren Quelle entſpringt, und dem man gehorcht, nicht als einem beſonderen Men⸗ ſchen, ſondern als einem Princip natürlicher Obrigkeit. Die Sklaverei mit Ludwig von Nevers zurückzurufen
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