Jakob von Artevelde. 27
ich ihn nicht gewarnt. Ich laufe raſch und komme wieder, ehe Du zu Bette biſt, Vater!“
Denys ſtand auf und ging nach der Vorderthür, welche er zuſchloß und den Schlüſſel in die Taſche ſteckte, worauf er zu Lieven, der ihm gefolgt war, mit ſcheinbar gleichgültigem Tone ſagte:
„Nein, nein Lieven, Du ſollſt jetzt nicht mehr aus⸗ gehn, es wird viel zu ſpät und es iſt gefährlich auf der Straße, darum weiß ich nicht, weshalb Du Dich nutzlos preisgeben willſt; das darf ich nicht dulden.“
Der Jüngling bat ihn, die Thür zu öffnen, aber ſein Vater blieb unerbittlich und ſagte endlich:
„Ich glaube, Du biſt wahnſinnig, Lieven; von zwei Dingen eins, entweder der Oberhauptmann iſt zu Hauſe und dann hat er nichts zu fürchten, oder er iſt nicht zu Hauſe und dann kannſt Du ihm Nichts melden. Du ſiehſt, daß morgen früh noch Zeit genug iſt, Deine Botſchaft auszurichten. Wie Du es auch betrachteſt, ich gehe zu Bette und Du ebenfalls. Hoffe nicht, daß ich thöricht ge⸗ nug ſein werde, Dich herauszulaſſen.“
Lieven ſah wohl, daß ſein Vater unbeugſam bleiben würde, um ſo mehr, als ſeine Gründe haltbar ſchienen. Er ſagte daher unterwürfig:
„Du haſt ſehr recht, Vater; ich werde morgen ſehr früh ausgehen und den Oberhauptmann warnen.“
Der Oberdechant ſteckte zwei kleine Kerzen an, gab Lieven eine davon und ging vor ihm die Treppe hinauf. Im erſten Stockwerk wünſchten ſie einander gute Nacht. Der Vater begab ſich in einen Gang, welcher nach dem


