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20 Jakob von Artevelde.
zum hundertſten Male die verlockenden Pläne, die er täg⸗ lich mit ſeiner geliebten Veerle entwarf, wie ſie in tiefem Frieden ſich ihrer Häuslichkeit erfreuen und in grenzen⸗ loſer Neigung zu einander den Schmerzenskelch vergeſſen wollten, den ſie beide ſo viele Jahre hatten leeren müſſen. Dieſe Pläne liefen immer auf das hinaus, was Artevelde in ſeinem Kerker ihnen mit ſo viel Eifer geſchildert hatte: ſie ſollten die Stadt verlaſſen, auf einem abgelegenen Dorfe ein einſames Haus bewohnen, Blumen ziehen, in den Wäldern luſtwandeln und ferne von dem vergiften⸗ den Pfuhl der menſchlichen Leidenſchaften leben, um auf Erden einen ſtillen Himmel in ſüßer Liebe und verborge⸗ ner Tugend zu finden.
Noch mehr in der Ferne ſah Lieven eine Frau ihren Säugling an das Herz drücken und mit glänzenden Au⸗ gen ſich in ſeinem zarten Antlitze baden; es ſchien ihm, als wenn das Kind, obwohl noch ſo jung, ihm bereits ähnlich ſähe, und als ob die Frau es deshalb mit ſo gro⸗ ßer Liebe betrachtete. Ein heiteres Lächeln überſtrahlte ſein Antlitz und er zitterte vor Glück, bis ſein Auge in der Dunkelheit die Stelle traf, wo der Grabſtein ſeiner ſeligen Mutter lag. Etwas fehlte ſeinem bezaubernden Traume; er verſiel nun auf eine Weile in trübes Sin⸗ nen und Thränen quollen aus ſeinen Augen. Sein be⸗ weglicher Geiſt wandte ſich indeß auch von dieſem Schmer⸗
zensbilde bald wieder ab, um von Neuem ſich das gelobte
Leben als ein lachendes Gemälde vor die Sinne zu zaubern. So von wechſelnden Rührungen ergriffen blieb der Jüngling lange im Fenſter liegen.— Plötzlich ward er
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