122 Jakob von Artevelde.
Stühlen niederließen;— darauf die Dechanten der an⸗ dern Zünfte, Jan Bake und Seger Boele an der Spitze, welche auf der linken Seite Platz nahmen, doch aus Mangel an Stühlen zum Theil ſtehen bleiben mußten.
Beide Parteien, auch hier durch ein Gefühl des Haſ⸗ ſes von einander geſchieden, wechſelten funkelnde heraus⸗ fordernde Blicke mit einander oder lächelten einander ver⸗ ächtlich an, ſo daß man auf den erſten Blick ſehen konnte, die Hoffnung auf Verſöhnung könne nicht eben groß ſein; dennoch redeten ſie nicht, ſondern zeigten nur in ihren Mienen, daß das Feuer der Rache in ihrem Herzen loderte.
Artevelde bemerkte dieſe ungünſtige Stimmung und erſuchte den Oberſchöffen, die Sitzung unmittelbar zu eröffnen, worauf er aufſtand und zuerſt mit trübem Ton, doch allmählig mit ſteigendem Nachdruck und Eifer fol⸗ gendermaßen zu den Dechanten ſprach:
„Genoſſen und Freunde! Ich weiß, daß Ihr hier er⸗ ſcheint mit dem feſten Entſchluſſe, Vorſtellungen zu Ver⸗ mittelungen und Verträgen kein Gehör zu geben; ich
weiß auch, daß mein Wort auf Eure Gemüther keine Macht übt. Hätte ich meine Schwäche allein betrachtet, ſo wäre ich zurückgewichen vor einem nutzloſen Verſuche; aber etwas Anderes hat mir Muth und Hoffnung gege⸗ ben, daß in dieſem wichtigen Augenblicke dennoch meine Stimme Eure Herzen erſchüttern werde. Ihr ſeid Gen⸗ ter! Ich habe mich erinnert, daß unſer theures Flandern einſt danieder lag unter dem Drucke fremder Tyrannei, daß Hungersnoth und Sklaverei das Blut in den Adern
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