Teil eines Werkes 
5 (1849)
Entstehung
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120 Jakob von Artevelde.

wir ſind geboren, um Sklaven zu ſein, Sklaven des Fremden oder Sklaven unſerer eigenen zügelloſen Lei⸗ denſchaft. Nun denn. lieber dann noch die freiwillige Unterwerfung; wenn ſie auch weder Ruhm noch Größe verleiht, ſo ſchenkt ſie doch Ruhe und entſchuldigt die Erniedrigung.

Artevelde lächelte trüb zu den verzweifelten Ausru⸗ fungen ſeines Freundes. Er faßte deſſen Hand und ſagte:

Wir ſind geboren, um frei und unabhängig zu ſein. Flandern kann irren, ſich verlieren, ſeine eigene Bruſt zerrreißen; aber ſterben, vergehen niemals! Es iſt zu viel Lebenskraft in dem niederdeutſchen Blute, zu viel Trotz in den Herzen der Vläminger. Ach, Freund Maes! es iſt möglich, daß wir damit beſchäftigt ſind, unſerem Vaterlande eine neue Knechtſchaft zu bereiten; aber laßt im Laufe der Jahrhunderte zwanzig Sklavereien Flan⸗ dern bedrücken, dennoch wird der Löwe ſeine Ketten zer⸗ brechen, dennoch das vlämiſche Heldengeſchlecht aufſtehen und Europa das Vorbild der Freiheit und Volksmacht geben!

Ach! ſeufzte Ser van Vaernewyck,Ihr bekennt alſo, daß Flanderns Ruhm und Größe ſich verdunkeln, daß eine neue Dienſtbarkeit die Frucht unſeres Treibens werden muß, daß uns nichts übrig bleibt, als die Hoff⸗

nung, unſer Vaterland werde in der Zukunft einſt ſich erheben gegen die Feinde ſeiner Unabhängigkeit und ſei⸗ ner Freiheit. Aber jetzt? Jetzt Sklaverei und Erniedri⸗ dung, nicht wahr?

Habt Muth, mein Freund! ſagte Artevelde.