Teil eines Werkes 
5 (1849)
Entstehung
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Jakob von Artevelde. 117

ſammlungsſaales im Hochhauſe und ſchaute mit trauri⸗ gem Blicke auf die Menge hinab. Seine Bruſt war be⸗ engt, ſeine Wangen bleich, ſein Blick ermüdet. Ein tiefer Verdruß, ein inniges Mitleiden mit ſeinen verirrten Brü⸗ dern ſprach ſich auf ſeinem Antlitz aus.

Der weiſe Mann erinnerte ſich mit Verzweiflung, daß er in glücklicheren Tagen auch einſt aus dieſen Fen⸗ ſtern auf das Volk hinabgeſchaut und Thränen der Freude in ſeinen Augen gefühlt habe. Er hörte noch die Sie⸗ geslieder der entzückten Menge, welche ſeinen Namen als einen Ruf des Heiles gen Himmel ſandte, und die Eide der Bruderliebe und endloſer Treue gegen das Vater⸗ land, welche mit lautem Jubelrufe aus dem Schooße der Genter zu Gott aufſtiegen. Er ſah noch das bunte Ge⸗ wimmel der geſchmückten Frauen und Kinder, die Um⸗ armungen der entzückten Zunftgeſellen, das Tanzen, das Trinken, das Singen...... Verlockendes Schauſpiel früheren Ruhmes und früherer Größe!

Jetzt kochte der Haß in Aller Bruſt; jetzt vergaß daſ⸗ ſelbe Volk die Gefahr des Vaterlandes, um ſich ſelbſt ein Blutbad zu bereiten; jetzt war die Stimme Jakob's von Artevelde machtlos, ſein Name war wie eine Brandfackel zwiſchen Brüdern geworden, und er, in der Fülle ſeiner Kraft und ſeines Heldenmuthes, mußte den Untergang von Gent und vielleicht von ganz Flandern erwarten, die Arme auf der Bruſt zuſammengeſchlagen, wie ein rathloſer Zwerg.

Nicht lange befand er ſich allein im Saale des Hoch⸗ hauſes; gleich darauf kam der Oberſchöffe, Maes van