Teil eines Werkes 
5 (1849)
Entstehung
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Jakob von Artevelde. 115

Reden gelernt habt,“ bemerkte ein Geſelle.„Es iſt, als ob der Oberhauptmann Euch bezahlte, um ihm nachzu⸗ ſchwatzen; aber das Liedchen dieſes Herrn iſt längſt ab⸗ geſungen in Gent.“

„Lump!“ antwortete Lieven zornig.„Was? Ihr wagt es, unehrerbietig von Mher Jakob zu ſprechen? Ihr, der Ihr kaum Verſtand genug habt, um Eure rechte Hand von Eurer linken zu unterſcheiden? Ich danke Gott, daß Ihr mir vorwerft, der Gedanke des Oberhauptmanns ſei auch der meinige! Ich habe mehr Recht, darauf ſtolz zu ſein, als Ihr Alle, die Ihr wie Kinder raſt und ver⸗ blendet ſeid durch die Hetzereien der Feinde Eures Vater⸗ landes und Eures Wohlergehens.“

Ein Murren der Wuth ließ ſich unter den Blaufär⸗ bern hören und Viele drohten Lieven mit der Fauſt; aber trotzig ſtreifte er die Aermel ſeines Kollers in die Höhe und ſagte mit herausforderndem Tone:

„Ja, droht nur, Geſellen! Ihr kennt Lieven Comyne! Die Arme ſitzen ihm auch nicht verkehrt am Leibe. Ver⸗ ſucht es nur einmal!“

Meiſter Ablyn ſprang dazwiſchen und brachte die Ge⸗ ſellen zur Ruhe. Lieven Comyne war ſchwerer als die Anderen zu beſänftigen und ſagte endlich zu ſeinen Ge⸗ noſſen:

„Nun, thut was Ihr wollt! Ich kümmere mich nicht darum. Aber wenn ſich noch Einer ein einziges Wort gegen den Oberhauptmann zu ſprechen erlaubt, ſo lege ich ihm meine fünf Finger in's Geſicht, daß er am hellen Tage die Sterne ſehen ſoll.“

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